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02.07.2012

14:11 Uhr

Higgs-Teilchen

„Wir haben nur den ersten Zipfel in der Hand“

Physiker aus aller Welt warten gespannt auf neue Daten zum lange gesuchten Higgs-Teilchen, die das Europäische Teilchenforschungszentrum Cern am Mittwoch in Genf präsentieren möchte. Im Interview erklärt Physiker Joachim Mnich, warum auch dann noch nicht alle Fragen geklärt sind.

Joachim Mnich, Direktor für den Bereich Hochenergiephysik und Astroteilchenphysik am Deutschen Elektronen-Synchrotron Desy. dpa

Joachim Mnich, Direktor für den Bereich Hochenergiephysik und Astroteilchenphysik am Deutschen Elektronen-Synchrotron Desy.

Berlin/HamburgHiggs gilt als letzter unbekannter Baustein der Materie. Doch selbst damit sei noch nicht das gesamte Weltbild erklärt, noch nicht einmal das der Physik, erläutert Prof. Joachim Mnich, der am Cern und am Deutschen Elektronen-Synchrotron Desy in Hamburg arbeitet, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Was hat die Physik erreicht, wenn das Higgs-Teilchen entdeckt ist?

Joachim Mnich: Dann hätten wir den ersten Zipfel in der Hand. Es wäre eine sehr eindrucksvolle Bestätigung, dass wir mit unserem Standardmodell der Teilchenphysik auf der richtigen Spur sind. Zunächst würde der Higgs-Mechanismus erklären, dass die fundamentalen Teilchen eine Masse haben. Er würde aber noch nicht erklären, warum die Teilchen die Massen haben, die sie haben.

Was bleibt noch zu erforschen?

Das Higgs löst wirklich eine zentrale Frage der Teilchenphysik, aber noch lange nicht alle. Mit unserem Standardmodell erklären wir ja nur vier Prozent des Energieinhalts unseres Universums. Auch die Gravitation, die Anziehungskraft, gehört gar nicht zu unserem Modell. Es gibt die Frage nach der Dunklen Materie und der Dunklen Energie. Es gibt die Frage, warum wir überhaupt existieren. Warum besteht unser All nur aus Materie und nicht auch aus Antimaterie - nach dem Urknall hätten sich Materie und Antimaterie eigentlich vollständig auslöschen müssen. Diese Fragen wird man auch mit der Entdeckung der Higgs-Teilchen noch nicht lösen können.

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Der Nachweis des Higgs-Bosons scheint zum Greifen nah. dpa

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Der Nachweis des Higgs-Bosons scheint zum Greifen nah.

Dann sind trotz eines sogenannten Gottesteilchens eine schöpfende Kraft oder ein Schöpfer nicht ausgeschlossen?

Natürlich nicht. Was wir als Teilchenphysiker versuchen, ist zu ergründen, wie das Universum funktioniert. Wer dahinter steckt, was dahinter steckt oder wie es geschaffen wurde, das ist glaube ich eine andere Frage. Wir versuchen zu ergründen, wie es funktioniert. Den Namen Gottesteilchen für Higgs finde ich ohnehin etwas unglücklich. Denn nach meiner Meinung sind entweder alle Teilchen Gottesteilchen oder keins.

Glauben Sie an Gott?

Ich glaube schon, dass da so etwas wie ein Mastermind hinter dem Ganzen stehen muss. Ich glaube da nicht an Zufälle. Man kann es den lieben Gott nennen, man kann es aber auch anders nennen.

Gibt es eine praktische Anwendung für das Higgs oder ändert sich etwas im Alltag?

Das, was wir tun, ist Grundlagenforschung. Ob man dann am Ende in vielen Jahren etwas Praktisches, vielleicht auch Kommerzielles daraus machen kann, das ist nicht abzusehen. Als die ersten Physiker vor über 50 Jahren anfingen, Teilchenbeschleuniger zu bauen, um genau diesen Fragen nachzugehen, haben sie halt die Beschleunigerentwicklung vorangetrieben. Heutzutage finden Sie Teilchenbeschleuniger in Krankenhäusern, zum Beispiel zur Krebsbehandlung. Daran hatten die Physiker damals garantiert nicht gedacht. Ein anderes Beispiel sind unsere Detektoren, die in vielen Gebieten der Wissenschaft und darüber hinaus Anwendung finden. Und denken Sie daran, dass vor 20 Jahren am Cern das World Wide Web erfunden worden ist.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Traurig_traurig

02.07.2012, 15:51 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

FTH74

03.07.2012, 00:45 Uhr

Friedrich Heß Physiker: Der Higgsmechanismus ergründet unsere Welt im Indeterminismus, dies führt in die Paradoxie, dass nach dem Physiker Heisenberg Leben und Tod in einem Individuum nicht nacheinander, sondern zur gleichen Zeit abläuft. Es ist ein quantenmechanischer Überlagerungszustand, in dem töten und retten, Wahnsinn und Vernunft jeweils als Summe zur gleichen Zeit abläuft und unsere Existenz beschreiben soll. Genau diesen „Gott“ menschlicher Erklärungswerke gilt es auszuschließen. Eine bestimmte Welt, wie gesagt ist dann nach dem Higgsmechanismus unmöglich, in der Gut und Böse entweder didaktisch oder anders, getrennt wird, in der das Theodizee Problem aufgelöst wird. Eine bestimmte Welt würde natürlich enorme Fragestellungen aufwerfen, wie eine so eklatante Ungleichheit gerechtfertigt würde, wenn der Mensch nicht mehr Macher der Dinge wäre. Und natürlich wissen das die Forscher. Was immer dort gemessen wird, der Higgsmechanismus kann auf sehr vielen Ebenen völlig ausgeschlossen werden.

Die_Glocke

03.07.2012, 02:22 Uhr

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