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04.07.2012

11:40 Uhr

Hiiggs-Boson

Cern-Forscher kreisen das Gottesteilchen ein

Wissenschaftler am europäischen Kernforschungszentrum Cern haben ein neues Elementarteilchen entdeckt, bei dem es sich um das als "Gottesteilchen" bekannte Higgs-Boson handeln könnte.

Sensationell

Dem "Gottesteilchen" auf der Spur

Sensationell: Dem "Gottesteilchen" auf der Spur

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GenfWissenschaftler am europäischen Kernforschungszentrum Cern haben ein neues Elementarteilchen entdeckt, bei dem es sich um das seit langem fieberhaft gesuchte Higgs-Boson handeln könnte. „Es ist ein vorläufiges, aber ein sehr überzeugendes Ergebnis“, sagte der führende Cern-Wissenschaftler Joe Incandela am Mittwoch in der Forschungseinrichtung bei Genf.

Die vorhandenen Daten zeigten mit sehr hoher Signifikanz ein Teilchen bei 125 GeV (Giga-Elektronenvolt), berichteten die Forscher in einer Pressekonferenz des Cern. Sie sind aber noch nicht hundertprozentig sicher, dass es sich um das Higgs-Teilchen handelt. „Wir benötigen mehr Daten“, hieß es.

Fragen und Antworten zum Higgs-Teilchen

Welche Aussagen für die Teilchenphysik stecken in der Entdeckung des Cern?

Die von beiden Großdetektoren ATLAS und CMS beobachteten Signale beschreiben Zerfälle eines neuen Teilchen. Die Zahl der Ereigniskandidaten und die Verteilungen der nachgewiesenen Zerfallsteilchen entsprechen der Hypothese, dass es sich um das Higgs-Boson handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die beobachteten Signale eine Fehlmessung oder statistische Fluktuation sind, liegt bei 1:1.000.000.

Welche Bedeutung hat diese Beobachtung für die Wissenschaft?

Die Entdeckung des Higgs-Teilchens ist ein Meilenstein der Grundlagenforschung. „Wir sind dem Traum der Menschheit, zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ein wichtiges Stück näher gekommen“, so die offizielle Einordnung des Cern. Darüber hinaus zeigt das Ergebnis, was die Wissenschaft erreichen kann, wenn sie ihre Kräfte weltweit bündelt. 10.000 Wissenschaftler aus 60 Ländern von allen Kontinenten arbeiten am LHC-Projekt friedlich zusammen. „Auf diese Weise trägt die Elementarteilchenphysik einen wichtigen Beitrag zur Kultur unseres Zeitalters bei“, sind die Cern-Forscher überzeugt.

Welche Bedeutung hat das Higgs-Boson?

Jedem Elementarteilchen kommt eine besondere Aufgabe zu: aus den sogenannten Fermionen, das sind Quarks und Leptonen, wird die Materie aufgebaut, während die sogenannten Bosonen Kräfte übermitteln. Das Higgs-Boson ist dafür verantwortlich, dass Elementarteilchen ihre (träge) Masse erhalten. Jedes dieser fundamentalen Teilchen ist ein unverzichtbarer Baustein unserer Natur, ohne den die Welt entweder nicht existieren würde oder sich aber in einem sehr exotisch Zustand befände.

Welche offenen Fragen kann der LHC noch beantworten?

Auch nach der Entdeckung des Higgs-Teilchens sind noch nicht alle grundlegenden Geheimnisse der Physik aufgedeckt. Offene Fragen gibt es etwa noch zur Beschaffenheit der Dunklen Materie oder zu den Asymmetrien in der Natur. Die Cern-Froscher hoffen, dass ein langjähriges Messprogramm am LHC, ab 2015 bei doppelter Energie, hier deutliche Erkenntnisgewinne bringen wird.

Die Daten zeigten klare Signale von einem neuen Teilchen im Signifikanzbereich von 5 Sigma. Das gilt als Grenze, damit eine Entdeckung wirklich anerkannt ist. „Die Ergebnisse sind vorläufig, aber das 5-Sigma-Signal im Bereich um 125 GeV, das wir sehen, ist drastisch“, teilte das Cern mit. „Es ist schwer, nicht aufgeregt zu werden bei diesen Ergebnissen“, sagte Cern-Forschungsdirektor Sergio Bertolucci

Seit 40 Jahren fahnden Physiker nach dem Higgs-Boson, das auch „Gottesteilchen“ genannt wird. Das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannte Teilchen sorgt dafür, dass alle Objekte eine Masse haben. Der heute 83-jährige Higgs hatte die Existenz des Teilchens 1964 vorhergesagt.

Hintergrund: „Das schwerste Boson, das wir je gefunden haben“

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Das lange gesuchte Higgs-Boson könnte nun tatsächlich von den Detektoren des Teilchenbeschleunigers LHC erfasst worden sein.

Für die Wissenschaftler ist es das letzte noch fehlende - aber absolut zentrale - Elementarteilchen, um das Standardmodell der Materie zu begründen. Würde es nicht existieren, stünde das gesamte seit Jahren die Physik beherrschende Theoriemodell infrage.

Kommentare (42)

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Account gelöscht!

04.07.2012, 10:25 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zur Entdeckung! :-)

Pendler

04.07.2012, 10:29 Uhr

Bewusstsein erschafft Realitäten.

Um subatomaren Feld funtioniert es offensichtlich schon sehr gut. Mal sehen, wann es auch im Makrokosmos zur Anwendung gebracht wird.

Schon interessant, wie sich die Wissenschaften immer mehr der sogenannten Esoterik annähern.

Account gelöscht!

04.07.2012, 10:33 Uhr

Bin ich eigentlich der Einzige der sich fragt: "Und jetzt???"

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