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07.03.2013

12:39 Uhr

Hirnforschung

Forscher lösen das Cocktailparty-Problem

Auch wenn viele Menschen auf einer Cocktailparty reden, können wir uns mit einer einzelnen Person unterhalten. Wie unser Gehirn das schafft, haben US-Forscher jetzt herausgefunden.

Unser Gehirn blendet uninteressante Sprecher einfach aus. dpa

Unser Gehirn blendet uninteressante Sprecher einfach aus.

New York/BerlinWissenschaftler haben herausgefunden, wie das menschliche Gehirn das „Cocktailparty-Problem“ löst. Wenn sich viele Menschen auf engem Raum unterhalten, könne das Gehirn sämtliche uninteressanten Sprecher ausblenden, indem es die Hirnaktivität auf einen ausgewählten Gesprächspartner fokussiere. Das berichten die Wissenschaftler aus den USA im Fachjournal „Neuron“.

Die Forscher spielten Epilepsie-Patienten gesprochene Sätze vor und maßen dabei deren Hirnströme. Dabei konnte die ausgewählte Rede in Hirnregionen, die komplexe Prozesse wie Sprache und Aufmerksamkeit steuern, deutlich nachgewiesen werden. Die Geräuschimpulse sämtlicher anderer Sprecher hinterließen hingegen keine Spuren.

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In unserem Hörzentrum, dem auditiven Cortex, waren hingegen noch sämtliche Geräuschimpulse auszumachen. Dieser Bereich der Großhirnrinde dient der Bewusstwerdung und Verarbeitung von akustischen Reizen.

„Wir haben keine Möglichkeit, unsere Ohren zu verschließen. Sämtliche Geräusche werden im Gehirn dargestellt - zumindest als Sinnesreiz“, erklärte Charles Schroeder von der Columbia Universität in New York, einer der Autoren der Studie. „Es gibt allerdings Hirnbereiche, in denen lediglich ausgewählte Gesprächssegmente abgebildet werden - ignorierte Unterhaltungen werden offensichtlich ausgeblendet.“ Mit dem Ergebnis, dass man andere Sprecher kaum bis überhaupt nicht wahrnimmt, wenn man sich auf einen einzelnen konzentriert.

Für die Studie nutzten die Forscher Hirnstromaufzeichnungen von sechs Epilepsie-Patienten über den Zeitraum von einer Woche bis zu vier Wochen. Die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer im Alter von 21 bis 45 Jahren wurden ohnehin mit Hilfe von Elektroden protokolliert – hauptsächlich, um die für ihre epileptischen Anfälle verantwortlichen Hirnbereiche zu lokalisieren.

Die beteiligten Forscher der Columbia Universität, der Universität von Maryland und dem Long Island Jewish Medical Center hoffen, dass ihre Ergebnisse vor allem Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) oder Autismus von Nutzen sein können.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Mobius

07.03.2013, 12:58 Uhr

„Es gibt allerdings Hirnbereiche, in denen lediglich ausgewählte Gesprächssegmente abgebildet werden - ignorierte Unterhaltungen werden offensichtlich ausgeblendet.“

Mit solchen Banalitäten wird man zitiert? Unglaublich, mit welchen Plattitüden einige gehypte Disziplinen an die Öffentlichkeit gehen...und nicht total dafür verrissen werden. Ferner geht es bei dem Cocktailparty-Problem auch um das 'wie', also wie separiert das Gehirn das Signal auf das es sich konzentriert von den anderen Signalen..."verschiedene Hirnbereiche" hat mit Erklärung genausoviel zu tun wie der Donnergott für den Donner verantwortlich ist.

Ich würde mir da auch vom Handelsblatt etwas mehr kritisches Hinterfragen wünschen.

-Mobius

Account gelöscht!

07.03.2013, 15:25 Uhr

Von dem Artikel habe ich auf Grund der Überschrift auch wesentlich mehr erwartet.
Ergebnis der Untersuchung ist ja lediglich, dass ein bekanntes Phänomen sich auch durch entsprechende Hirnaktivitäten konstatieren lässt.
Gelöst ist jedoch offensichtlich überhaupt nichts. Es gibt keinerlei Antwort darauf, wie das Hirn die akustischen Signale des Gesprächspartners aus dem Geräusch-Brei herausfiltert. Und dafür fallen sogar mir als Laien auch schon ein paar Ansätze ein.
Korrekte Überschrift des Artikels könnte also lauten: "Lösung des Cocktailparty-Problems lässt noch auf sich warten".

Hoermauschel

07.03.2013, 21:54 Uhr

Und wo ist das überhaupt ein "Problem" für irgendwen? Ich kenne ein Aufzeichnungsgerät mit dem man nachträglich noch alle(!) Gespräche gezielt abhören kann. Ätsch!

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