Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2005

08:52 Uhr

Hochfrequente Wellen sollen als Gefahrendetektoren dienen

Materialprüfer machen mit Terahertz-Wellen Fehler sichtbar

VonNotker Oberhäuser (Handelsblatt)

Glassplitter in Pralinen, Luftblasen in Kunststoffen und Dellen in Autoblechen – glaubt man den Visionen des Braunschweiger Hochfrequenztechnikers Martin Koch, werden diese Produktionsfehler in naher Zukunft verstärkt mit Hilfe von Terahertz-Wellen lokalisiert. Qualitätssicherung und Materialprüfung von Industrieprodukten – hier lägen die künftigen Aufgaben für die Terahertz-Wellentechnik.

HB KÖLN. „Terahertz-Wellen machen das Innere von Stoffen und Produkten sichtbar“, erklärt der Forscher. Das ist ein Unterschied zu den Kamerasystemen, die vornehmlich die Oberflächen fotografieren. Viele Stoffe sind undurchsichtig für das Licht, nicht aber für die T-Rays, wie die Terahertz-Wellen auch genannt werden. Damit können Materialien noch genauer untersucht werden – und das zerstörungsfrei.

T-Rays sind hochfrequente Wellen, die billionenfach pro Sekunde schwingen. Diese gesundheitlich harmlosen Wellen liegen im Frequenzbereich zwischen den Mikro- und Infrarotwellen. Es handle sich damit um den letzten Frequenzbereich im elektromagnetischen Spektrum, der technisch noch nicht genutzt werde, sagt Koch. Der Grund: Die Technologie war bislang zu teuer. Das hat sich nun geändert. Weltweit arbeiten Forscherteams an der Weiterentwicklung der Hochfrequenztechnik und wecken bei Qualitätsprüfern, Sicherheitstechnikern und Lebensmittelkontrolleuren große Erwartungen.

„T-Rays können andere Prüftechniken wie Röntgen, Wiegen oder Ultraschall-Untersuchungen ergänzen – und im Einzelfall auch ersetzen“, sagt Koch. Der Durchbruch in der Terahertz-Forschung gelang vor zehn Jahren mit dem Titan- Saphir- Laser. Dieser Laser erzeugt Lichtimpulse von nur wenigen zehn Femtosekunden Dauer – das entspricht dem zehnmillionstel Teil einer Milliardstel Sekunde. Mit solch schnellen Lasern und kleinen Halbleiterchips werden am Braunschweiger Institut Terahertz-Wellen erzeugt.

Allerdings kosten Saphir-Laser immer noch 50 000 Euro bis 120 000 Euro, sagt der Wissenschaftler. „Wir experimentieren an unserem Institut in Braunschweig mit günstigeren Lasern, die zwischen 3 000 und 5 000 Euro kosten werden.“ Erst bei solchen Preisen würden T-Ray-Anwendungen für die Industrie interessant, meint Koch. In zwei Jahren will der 41-Jährige ein schnelles und kompaktes T-Ray-System vorstellen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×