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28.08.2013

08:31 Uhr

Höhentraining am Boden

Hightech-Simulation für Kampfflieger

Zentrifuge, Unterdruckkammer, Desorientierungstrainer. Mit viel Technik simuliert die Luftwaffe den Einsatz von Kampfjet-Piloten in 14 Kilometern Höhe – am Boden in einem europaweit einmaligen Institut.

Höhentraining wie James Bond - die Humanzentrifuge im Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Königsbrück macht es möglich. dpa

Höhentraining wie James Bond - die Humanzentrifuge im Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Königsbrück macht es möglich.

KönigsbrückWer die Zentrifuge im Flugmedizinischen Institut der Bundeswehr in Königsbrück betritt, muss unweigerlich an James Bond denken. In „Moonraker“ sitzt 007 Roger Moore in einer Zentrifuge, die ein Killer auf eine tödliche Geschwindigkeit manipuliert hat. In der kurzen Sequenz ist gut zu erkennen, wie Bonds Gesichtszüge immer mehr entgleisen – bis er die Apparatur in letzter Sekunde selbst stoppen kann.

Auf „15 g“ ist die Zentrifuge bei Bond eingestellt, das entspricht dem 15-fachen der Erdbeschleunigung. In Königsbrück müssen die Piloten eines Tornados oder Eurofighters kurzzeitig 9 g aushalten – das Neunfache des eigenen Körpergewichts.

Dirk Baier ist extra aus dem Urlaub zurückgekehrt, um sich beim Besuch von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) in die Zentrifuge zu setzen. Die Piloten der Luftwaffe müssen alle vier Jahre nach Königsbrück nahe Dresden zum Test. Baier ist 39. Die Altersgrenze für Jet-Piloten liegt bei 41.

Ohne Training wird einem schwarz vor Augen

Normalerweise könnte Baier auch verlängern. „Die 41 ist keine gusseiserne Zahl“, sagt Oberst Franz Grell, Chef des Flugmedizinischen Institutes der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, zu dem die Königsbrücker Flugphysiologie gehört. Es gebe auch Piloten, die mit weit über 40 noch fliegen. Baier möchte jedenfalls nicht zur zivilen Luftfahrt wechseln. „Die mögen es nicht, wenn man gern allein arbeitet“, sagt der Oberstleutnant.

Dann schnallt er sich an, setzt den Helm auf und erhält via Mikrofon letzte Anweisungen. Sein Körper ist verkabelt, für Blutdruck und Herzfrequenz, auch ein EKG wird gemacht. Die Zentrifuge setzt sich in Bewegung. Mehr als Tempo 100 erreicht die Kapsel. Über Monitore kann man Baiers Gesicht sehen. Er presst, die Lippen flattern – ganz wie bei Roger Moore.

„Je höher die Fliehkräfte, desto mehr sackt das Blut in die Beine“, sagt Bernd Brix, der Leiter der Einrichtung in Königsbrück: „Die Herzfrequenz erreicht schnell mal 180, das ist wie Hochleistungssport. Ohne Training würde einem schwarz vor den Augen.“

Die Flugmediziner messen auch die Muskelkraft der Piloten, damit später durch gezielte Übungen der Körper für solche Belastungen fit gemacht wird. Tatsächlich simuliert die Zentrifuge jene Kräfte, die auf die Besatzung bei Kurvenmanövern einwirken. Ein Spezialanzug hilft zwar, die Kräfte auszugleichen. Aber jeder gut trainierte Flieger versucht auch, durch Pressen oder Schließen des Kehldeckels auf die Situation zu reagieren.

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