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17.06.2014

12:50 Uhr

Holme Jensen & Hélix-Nielsen

Sauberes Wasser für die ganze Welt

VonThomas Trösch

Wasser filtern wie die Natur: Der Europäische Erfinderpreis in der Kategorie KMU geht an Peter Holme Jensen und Claus Hélix-Nielsen. Handelsblatt Online sprach mit den dänischen Unternehmern am Rande der Preisverleihung.

Sieger in der Kategorie KMU des Europäischen Erfinderpreises:  Peter Holme Jensen (l.) und Claus Hélix-Nielsen EPA

Sieger in der Kategorie KMU des Europäischen Erfinderpreises: Peter Holme Jensen (l.) und Claus Hélix-Nielsen

Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Hélix-Nielsen: Diese Anerkennung für unsere Arbeit macht uns natürlich sehr stolz. Wir haben uns mit unserer Forschung unmittelbar am Vorbild der Natur orientiert und daraus eine Technologie für die industrielle Anwendung entwickelt. Dass wir dafür mit diesem Preis belohnt werden, freut mich persönlich sehr.

Was sind die Vorteile Ihrer Aquaporin-Technik gegenüber anderen Technologien zur Wasserreinigung?

Hélix-Nielsen: Wir nutzen die natürlichen Fähigkeiten von Aquaporin-Proteinen, die in unseren Zellen dafür sorgen, dass ausschließlich Wasser die Zellmembran passieren kann. Das macht sie zu idealen Bausteinen für Filtersysteme. Für die industrielle Anwendung integrieren wir die Aquaporine in eine Trägerschicht und erhalten so eine Membran, die Wasser ohne hohen Energieaufwand von praktisch allen Fremdstoffen reinigt. Zum Beispiel auch von Salz.

Das heißt also, Ihr Filtersystem eignet sich hervorragend für die Meerwasserentsalzung. Doch die Trinkwassergewinnung ist nicht die einzige Anwendungsmöglichkeit Ihrer Technik. Ultrareines Wasser ist auch ein begehrter Industrierohstoff.

Jensen: Das stimmt. Ultrareines Wasser ist etwa für die Halbleiterbranche unverzichtbar. Dort wird mit extrem kleinen Bauteilen gearbeitet, bei denen schon die winzigsten Verunreinigungen im Wasser zu Fehlern führen können.

Konzentrieren Sie sich mit Ihrem Unternehmen eher auf diese industrielle Anwendung oder eher auf den Bereich Trinkwasserversorgung?

Jensen: Unser Fokus liegt im Moment eher auf der industriellen Anwendung – auch deshalb, weil wir dort in etwas kleinerem Maßstab starten konnten. Wir haben uns Nischen gesucht, in denen unsere Technologie vorhandene Lücken schließen konnte. Aber natürlich wünschen wir uns, dass wir weiter wachsen und irgendwann helfen können, die Menschheit mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Sie setzen verstärkt auf Kooperationen mit Unternehmen, die in ihren jeweiligen Branchen zu den Marktführern zählen – 2011 etwa mit der Membrana GmbH im Bereich medizinische Membranfilter. Welche Idee steckt dahinter?

Jensen: Unser kleines Unternehmen hat natürlich nicht die finanziellen und personellen Kapazitäten, um ein Produkt hinter verschlossenen Türen zu entwickeln und es erst zu zeigen, wenn es marktreif ist. Deshalb schützen wir unsere Idee zunächst mit einem Patent und öffnen dann die Tür für mögliche Kooperationspartner, Industrieunternehmen eben oder Universitäten, um mit ihnen gemeinsam unsere Erfindung zu einem marktgerechten Produkt weiterzuentwickeln.

Würden Sie sich selbst eher als Erfinder oder eher als Unternehmer beschreiben?

Jensen: Ich sehe mich eher als Unternehmer. Eine fertige Idee zu pushen, ihr Wege zu öffnen, das ist mein Ding. Harte Arbeit, aber ich mag es.

Hélix-Nielsen: Sicherlich bin ich eher Forscher, aber ich mag das Ping-Pong-Spiel zwischen beiden Welten: Du entwickelst eine Technologie, sie wird vermarktet, dabei tauchen neue Fragestellungen auf, die wiederum neue Forschungsarbeit erfordern – dieses Wechselspiel fasziniert mich.

Was können wir in der Zukunft von Ihrer Technologie noch erwarten?

Hélix-Nielsen: Ein möglicher Ansatz wäre die Aquaporin-Inside-Technologie, bei der unsere einzigartigen Membranen in größere Systeme integriert werden, die ihrerseits dann eine Reihe ganz verschiedener Anwendungen ermöglichen.

Zum Abschluss eine ganz aktuelle Frage: Wer wird Fußballweltmeister?

Jensen und Hélix-Nielsen: Deutschland. Aber wir Dänen erinnern uns immer gern an das Jahr 1992.

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