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16.11.2012

13:56 Uhr

Hormonelle Flirtbremse

Nasenspray macht treu

Das „Kuschelhormon“ Oxytocin sorgt für Treue in der Beziehung: Als Nasenspray verabreicht, hält es gebundene Männer auf Distanz zu attraktiven Flirt-Partnerinnen. Bei Singles bewirkt das Hormon dagegen weniger Distanz.

Das Bindungshormon Oxytocin fördert die Treue von Männern in festen Beziehungen. dpa

Das Bindungshormon Oxytocin fördert die Treue von Männern in festen Beziehungen.

BonnDas Hormon Oxytocin hat offenbar zwei ganz unterschiedlich Seiten: Bisher als beziehungsfördernd und eher enthemmend bekannt, kann es umgekehrt auch zu mehr sozialer Distanz beim Flirt führen. Das haben Bonner Forscher herausgefunden.

Gebundene Männer hielten unter Oxytocin-Einfluss einen größeren Abstand zu attraktiven Flirt-Partnerinnen ein als die unbehandelte Kontrollgruppe, berichten die Wissenschaftler in einer Studie, die im „Journal of Neuroscience“ erschienen ist.

Oxytocin ist auch als Bindungs- oder Kuschelhormon bekannt. „Es sorgt mit dafür, dass wir uns in eine starke soziale Bindung begeben“, so Wolfgang Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bonner Universitätsklinikums. Besonders groß ist die Oxytocin-Ausschüttung im Gehirn etwa beim Sex oder auch bei Eltern nach der Entbindung ihres Kindes.

Für ihre Untersuchung verabreichten die Bonner Forscher 57 Männern ein Nasenspray, das entweder Oxytocin oder ein unwirksames Scheinpräparat enthielt. Dann trat eine attraktive Wissenschaftlerin auf. Die Probanden gingen auf sie zu und blieben durchschnittlich etwa 60 Zentimeter vor ihr stehen.

Das Team vermutete, dass Oxytocin zu einer Verringerung dieser Distanz führen müsste. Doch zumindest bei Männern, die in einer festen Beziehung lebten, war das Gegenteil war der Fall: Sie hielten unter dem Einfluss des Hormons einen bis zu 15 Zentimeter größeren Abstand als Probanden, die als Singles lebten oder aus der unbehandelten Kontrollgruppe kamen.

„Oxytocin wirkte hier als eine Art Treuehormon“, so Studienleiter René Hurlemann. In einem weiteren Experiment ergaben sich ganz ähnliche Befunde. Die Forscher zeigten den Probanden Fotos von attraktiven Frauen. Die Testpersonen hatten die Möglichkeit, in die Bilder hinein zu zoomen – sich also räumlich stärker anzunähern. Nach der Gabe von Oxytocin taten dies Männer in einer Paarbeziehung langsamer als Singles.

Offenbar spielt das Hormon eine Schlüsselrolle bei der Frage, wie es die Natur eingerichtet hat, dass sich beide Eltern voll auf den schutzbedürftigen Nachwuchs konzentrieren. „Das Bindungshormon hält Männer davon ab, sich nach der Zeugung sofort einer anderen Partnerin zuzuwenden“, so Hurlemann. „In vorzivilisatorischen Zeiten steigerte es so die Überlebenschancen des Nachwuchses.“

Kommentare (1)

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Anonymous

16.11.2012, 14:35 Uhr

Diese Forscher belegen wieder einmal:
Psychotherapie ist nur ein Symptom der Erkrankung, die sie vorgibt zu heilen...

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