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11.04.2016

11:39 Uhr

Hyperloop

Der Kampf um den Hochgeschwindigkeitszug

VonMatthias Hohensee
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Elon Musk will mit dem Hyperloop Schnellzüge ersetzen. Das verkündete er vor zweieinhalb Jahren. Nun wetteifern Start-ups darum, das Milliardenprojekt zu verwirklichen. An vorderster Stelle kämpfen zwei Deutsche.

Die Magnetbahn soll in Zukunft US-Großstädte verbinden. PR

Hyperloop

Die Magnetbahn soll in Zukunft US-Großstädte verbinden.

Auf dem Höhepunkt seines Vortrages während des Technologiefestivals South by Southwest in Texas bemüht Dirk Ahlborn schließlich den amerikanischen Präsidenten auf die Leinwand. Er lässt Obama dort sagen: „Amerika war schon immer eine Nation der Macher“ und schneidet dahinter sehr schnell und atemlos Bilder von Zügen, Autos, Stadtbildern und futuristisch anmutenden Blaupausen. Und immer wieder er selbst; im Fernsehen, bei Vorträgen.

Es sind Bilder, die keinen Zweifel lassen: Dem stämmigen Deutschen, geht es um Zukunft, sehr große Zukunft. Mindestens die des Reisens, womöglich aber auch des Unternehmertums schlechthin. Je nachdem, ob Ahlborns Plan gut aufgeht oder ob er sehr gut aufgeht. Dass er gar nicht aufgehen könnte, das spielt hier auf dem Festival der Tech-Enthusiasten keine Rolle.

Ahlborn, 39, hat seine linke Hand lässig in seinem leger geschnittenen Jackett vergraben, den weißen Hemdkragen weit aufgeknöpft. So steht er vor den 2000 Zuhörern und wirft den Plan für seine erste Revolution auf die Leinwand, die des Reisens: Ahlborn zeigt eine Magnetbahn, die in Röhren unter Niedrigdruck mit Überschallgeschwindigkeit Passagiere befördert. Die Idee stammt ursprünglich von Multiunternehmer und Berufsvisionär Elon Musk und heißt bei ihm Hyperloop.

Die Neuerfindung des Unternehmertums

Als wären Bau und Betrieb dieser Bahn nicht schon Herausforderung genug, will Ahlborn, das ist seine zweite Revolution, eine völlig neue Organisationsstruktur realisieren, die er als Zukunft der Technologiebranche sieht. Nichts weniger als die Neuerfindung des Unternehmertums. Keine fest angestellten Mitarbeiter, sondern ein Heer von Freiwilligen, die mit Aktienoptionen entlohnt werden, sollen sein Projekt stemmen. „Es gibt so viel Know-how in der Welt, man muss es nur aktivieren“, sagt Ahlborn. 520 Mitstreiter hat er für sein Start-up Hyperloop Transportation Technologies gewonnen, Ingenieure, Designer und Programmierer von Unternehmen wie Apple, Boeing, General Electric, Facebook oder SpaceX. Aber auch Wissenschaftler von der NASA und Kreative. Gegen Aktienoptionen haben sie sich verpflichtet, mindestens zehn Stunden in der Woche an dem Projekt zu arbeiten.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Es gibt da aber womöglich, neben der Realität, noch eine große Hürde, mit der Ahlborns doppelte Revolution konfrontiert ist: Der amerikanische Unternehmer Brogan BamBrogan will ebenfalls einen Hyperloop bauen. Allerdings auf ganz konventionelle Silicon-Valley-Manier, mit fest angestellten Mitarbeitern und viel Wagniskapital. Dazu hat der ehemalige Ingenieur von Musks Weltraumunternehmen SpaceX eine ganze Reihe Talente bei Hyperloop Technologies um sich geschart. Unterstützt wird er von prominenten Verwaltungsratsmitgliedern wie Peter Diamandis, Gründer der X-Prize-Stiftung und der Singularity-Universität, und dem Peter-Thiel-Weggefährten David Sacks.

Und klar ist: Wenn es den Hyperloop überhaupt in absehbarer Zeit gibt, wird sich nur einer der beiden durchsetzen.

Gegenentwurf zur Hochgeschwindigkeitstrasse

Zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass Elon Musk seine Idee einer ultraschnellen Magnetbahn in einem 58-seitigen, im Internet publizierten Papier bewarb. „Eine Mischung aus Concorde, Schienenkanone und Airhockey-Tisch“ und ein „wahres Fahrvergnügen“, feierte er sich damals selbst. Es war sein Gegenentwurf zu einer traditionellen Hochgeschwindigkeitstrasse, wie sie die kalifornische Regierung zwischen San Francisco, Los Angeles und San Diego vorantreibt. Ab 2029 soll sie die kalifornischen Metropolen miteinander verbinden.

Projekt von Elon Musk: Münchner mischen beim Hyperloop mit

Projekt von Elon Musk

Premium Münchner mischen beim Hyperloop mit

Tesla-Chef Elon Musk träumt vom Hyperloop. Ein Team der TU München zählt zu den 22 Kandidaten, die ihren Entwurf für die futuristische Transportkapsel als Prototyp bauen und in Los Angeles präsentieren dürfen.

Musk hält das auf mindestens 64 Milliarden Dollar kalkulierte Vorhaben, das im vergangenen Jahr begonnen wurde, für eine „gigantische Enttäuschung, eine der teuersten und zugleich langsamsten Schnellbahnen der Welt“.

Er behauptet, die Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles für nur 7,5 Milliarden Dollar errichten zu können. Selber will er es freilich nicht tun, „da ich zu sehr mit Tesla und (dem Weltraumtransportunternehmen) SpaceX beschäftigt bin“. Eine gezielte Provokation, die dank Musks Ruhm in Windeseile ihre Runde um den Globus machte und heftige Debatten auslöste.

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