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31.01.2008

07:19 Uhr

Im Gespräch: Craig Venter

„Ein radikaler Wandel für die Wirtschaft“

VonRoland Julius Endert

ExklusivDer US-Biochemiker Craig Venter erlangte Weltruhm, als er im Jahr 2000 mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms an die Öffentlichkeit trat. Der ebenso geniale wie geschäftstüchtige Wissenschaftler machte zuletzt mit der synthetischen Herstellung eines Bakteriengenoms von sich reden. Im Handelsblatt-Interview spricht er über das kommende Zeitalter der Gene.

Visionär einer "DNA-driven world": Craig Venter Foto: ap ap

Visionär einer "DNA-driven world": Craig Venter Foto: ap

Mr. Venter, Sie sprechen von einer „DNA-driven world“, einer Welt, die von der Erbsubstanz bestimmt wird. Sie möchten die Energieversorgung auf die Nutzung von künstlich erzeugten Mikroorganismen umstellen. Was bedeutet das für die Wirtschaft?

Wenn wir erfolgreich sind, bedeutet das einen radikalen Wandel für die Wirtschaft. Derzeit ist die Wirtschaft überwiegend von Kohle und Öl abhängig. Das wollen wir ändern. Das heißt: An die Stelle reicher Ölstaaten könnten Agrarländer oder Länder treten, die in der Wissenschaft führend sind. Und das müssen nicht die Länder sein, die heute aufgrund ihrer Ölvorkommen reich sind. Es kann hier also zu Verschiebungen kommen.

Und wenn Sie nicht erfolgreich sind?

Wenn wir abhängig von fossilen Energieträgern bleiben, kann es zu gewaltigen Katastrophen kommen. Beispielsweise wird durch den Klimawandel die Verfügbarkeit von Wasser für die Landwirtschaft drastisch abnehmen. Wenn wir es nicht schaffen, unsere Energieversorgung umzustellen, werden wir in ganz vielen verschiedenen Bereichen der Wirtschaft Probleme bekommen, und dann wird es keine Lösung geben, die all diese Probleme gleichzeitig beseitigen kann.

Welche Unternehmen werden profitieren?

Es ist noch zu früh, das zu sagen. Jedenfalls die Firmen, die es schaffen, Lösungen für eine alternative Energieform zu finden.

Wie Ihr Unternehmen Synthetic Genomics?

Ja, wir arbeiten dort an verschiedenen Lösungen auch in Kooperation mit anderen. So forschen wir gemeinsam mit BP an der Herstellung umweltfreundlicher Kohlenwasserstoffe durch sogenannte Biokonversion. Unser langfristiges Ziel aber ist das Design eines künstlichen Genoms zur Programmierung einer neuen Art von Zellen, deren Eigenschaften sich für die Energieproduktion oder für den Einsatz bei chemischen Verfahren eignen.

Welche Rolle spielen Patente auf diese Lebewesen?

Das ist noch unklar, vermutlich werden sie nur eine geringe Rolle spielen, denn für die Energiebranche sind Patente in der Regel nicht besonders wichtig. Diese Unternehmen vertrauen eher auf ihre Größe und Marktmacht.

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