Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2011

13:46 Uhr

Im Labor kontaminiert

Menschliche Gene im Erbgut von Tieren und Pflanzen

VonThomas Trösch

Fast ein Fünftel aller sequenzierten Genome von Pflanzen, Tieren und Bakterien weisen menschliche Erbgutschnipsel auf. Offenbar ein Folge von Nachlässigkeiten im Laborbetrieb.

Rund ein Fünftel der untersuchten Genome wies die auffällige Alu-Sequenz auf. Quelle: Reuters

Rund ein Fünftel der untersuchten Genome wies die auffällige Alu-Sequenz auf.

Bis zu 18 Prozent aller bislang sequenzierten Genome könnten mit menschlicher DNA verunreinigt sein. Zu diesem Ergebnis kommen Rachel O'Neill und ihre Kollegen von der University of Connecticut in einer aktuellen Untersuchung. Die Wissenschaftler vermuten, dass Nachlässigkeiten im Laborbetrieb für die Verunreinigungen verantwortlich sind.

Für ihre Untersuchung, über die sie aktuell in der Public Library of Science berichten, hatte die Forschungsgruppe insgesamt 2749 Genome von Tieren, Pflanzen und Bakterien genauer unter die Lupe genommen. Dabei entdeckten sie in 492 Fällen eine auffällige Gemeinsamkeit: Das Erbgut enthielt jeweils sogenannte Alu-Sequenzen – Erbgut-Schnipsel, die eigentlich für menschliche DNA typisch sind.

Dass diese Sequenzen durch Nachlässigkeiten im Labor verursacht wurden, legt eine weitere Beobachtung der Wissenschaftler nahe: Im Genom von Influenzaviren fanden sie keine Alu-Sequenzen. Als Grund vermuten die Forscher, dass die strengeren Laborbestimmungen beim Umgang mit hoch infektiösen Krankheitserregern eine Kontaminierung verhinderten.

Auch wenn die Forscher menschliche Genome ausdrücklich nicht in ihre Untersuchung einbezogen, sehen sie ihre Arbeit auch als einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der DNA-Sequenzierung beim Menschen. Durch Kontamination eingebrachte fremde DNA könnten etwa die Ergebnisse von Erbguttest zur Bestimmung von Krankheitsrisiken negativ beeinflussen.

„Niemand möchte hören, dass er genetisch ein hohes Risiko für eine Krebserkrankung trägt, wenn das tatsächlich gar nicht der Fall ist“, so O'Neill im Gespräch mit dem Fachmagazin „New Scientist“. Labore sollten daher stärker darauf achten, dass die strengen Hygienevorschriften, die für ihre Arbeit gelten auch wirklich eingehalten werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×