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23.10.2014

02:01 Uhr

Impfstoffe und Medikamente

Mit neuen Waffen gegen Ebola

VonThomas Trösch

Mit Hochdruck wird in den Laboren der Pharmakonzerne weltweit nach Heilmitteln gegen das tödliche Ebola-Virus gesucht. An aussichtsreichen Wirkstoffen fehlt es nicht – doch den Medizinern läuft die Zeit davon.

Experimenteller Impfstoff

Hat Kanada ein Heilmittel gegen Ebola?

Experimenteller Impfstoff: Hat Kanada ein Heilmittel gegen Ebola?

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BerlinSie heißen ZMapp, Favipiravir oder TKM-Ebola – und sie sollen helfen, dem Ebola-Virus seinen Schrecken zu nehmen. Mit Hochdruck wird derzeit in den Laboren der Pharmakonzerne an Waffen gegen die tödliche Krankheit gearbeitet. Nachdem man sich allzu lange damit abfinden musste, dass es gegen den gefährlichen Erreger weder Impfstoffe noch Medikamente gab, sollen die experimentellen Wirkstoffe nun im Expresstempo verfügbar gemacht werden.

So kündigte das US-Unternehmen Johnson & Johnson (J&J) an, die Entwicklung seines Ebola-Impfstoffes zu beschleunigen. Eine Million Impfdosen wolle man 2015 zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit – 250.000 bereits bis Mai. Auch beim kanadischen Hersteller Tekmira Pharmaceuticals arbeitet man intensiv an der Produktion eines Arzneimittels gegen Ebola. Das neue Medikament TKM-Ebola, das derzeit in der Erprobungsphase ist, solle bis Anfang Dezember verfügbar sein, teilte die Firma am Dienstag mit.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Die Wirkung von TKM-Ebola beruht auf der Hemmung eines für die Vermehrung des Ebola-Virus notwendigen Enzyms in der vom Erreger befallenen Zelle. Im Tierversuch hat das Präparat bereits seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt, klinische Studien an gesunden Menschen mussten allerdings wegen starker Nebenwirkungen abgebrochen werden. Mittlerweile hat die amerikanische Arzneimittelbehörde das Medikament zur Behandlung von Menschen in Notfällen aber wieder zugelassen.

Auf andere Weise wirkt das zeitweise als „Ebola-Wundermittel“ gehandelte ZMapp des US-Unternehmens Mapp Biopharmaceutical. Es setzt verschiedene Antikörper frei, die an das Ebola-Virus andocken und es gezielt ausschalten sollen. Das Verfahren hat sich im Tierversuch bewährt, für die Behandlung von Menschen ist ZMapp noch nicht zugelassen. Trotzdem wurden in den vergangenen Monaten mehrere an Ebola erkrankte Personen mit dem Präparat behandelt – mit unterschiedlichem Erfolg: Zwei US-Helfer erholten sich von der Krankheit, ein spanische Missionar starb trotz der Behandlung.

Anders als die beiden genannten Medikamente hat das in Japan entwickelte Medikament Favipiravir bereits eine Zulassung für die Anwendung am Menschen erhalten – allerdings nicht als Ebola-Medikament, sondern als Grippemittel. Im Tierversuch hat Favipiravir gezeigt, dass es auch die Vermehrung des Ebola-Virus im Körper wirksam bekämpfen kann. Hersteller Toyama Chemical hat bereits erklärt, das Medikament für die Behandlung von Ebola-Patienten zur Verfügung stellen zu wollen.

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