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18.01.2006

15:33 Uhr

Interkulturelle Kompetenzen

Nachhilfe in Globalisierung

VonSusanne Weiss

Kleine Fächer über fremde Kulturen waren lange die "guten Wilden" der Universitäten. Ihr Wissen lag verborgen im mythischen Dunkel, weit weg von Epoche machenden Staatsdisziplinen und Sonderforschungsbereichen.

BERLIN. Doch gerade, als man die Orchideenfächer - namentlich die Regionalstudien - den Privatgelehrten überlassen wollte, als man glaubte, die bipolare Welt fest im Griff zu haben, wurde die Welt unübersichtlich. In "asymmetrischen" Kriegen war das alte Rüstzeug morsch geworden, und man erkannte: Die Anderen sind wirklich anders.

"Regionalstudien erleben derzeit weltweit einen Aufschwung", erklärt Marianne Braig, Professorin am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin (FU). In den Entwicklungsprojekten der Weltbank spielt die Anerkennung anderer Wissensformen eine wachsende Rolle; in den USA und Großbritannien, in den Niederlanden und in Frankreich haben die Aktivitäten der "Area Studies" zugenommen und mit ihnen der Austausch zwischen Fächern wie Soziologie, Politologie und Geschichte mit Ethnologie, Religionswissenschaft und Regionalfächern wie Islamwissenschaft oder Indologie.

Die interkulturellen Kompetenzen der Disziplinen sind notwendig geworden, um ihren sich weltweit rasant ausbreitenden Gegenständen folgen zu können. Die Explosion des Datenverkehrs, anwachsende Menschenströme und der internationale Warenaustausch sorgen dafür, dass unterschiedliche kulturelle Standards und Wissensordnungen sich vermischen - aber auch aneinander geraten. So zerfließen dichotome Kategorien abendländischer Denkungsart wie "öffentlich" und "privat" oder "Recht" und "Unrecht" in der Realität einer anderen Kultur.

"Was ist eigentlich das zu schützende Eigentum?" fragt Marianne Braig in einem aktuellen Projekt. "Welche Rolle spielen Kopieren und Piraterie für Entwicklungsprozesse?" In einigen Ländern Lateinamerikas wächst derzeit ein florierendes Marktsegment, in dem zahllose Unternehmen entstehen, mit ihnen Arbeitsplätze, Kaufkraft und Mittelstand.

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