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11.01.2007

10:12 Uhr

Internationales Projekt startet im März

Schmelzendes Forschungsobjekt

VonOnno Gross

Den Eisbären in der Arktis geht es schlecht. So dramatisch ist der Rückgang der Populationen, dass die amerikanische Regierung sie nun unter verstärkten Schutz stellen will. Die Ursache für das zügige Verschwinden dieser beliebten Raubtiere ist nicht nur die Anreicherung von Giftstoffen in ihrem Körper.

HAMBURG. "In den letzten 30 Jahren", sagt Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), "sind rund 30 Prozent der arktischen Meereisfläche verschwunden. Im Sommer fehlen heute etwa drei Millionen Quadratkilometer Eisfläche auf den Satellitenaufnahmen gegenüber dem Jahr 1973." Den nach Schätzung der Weltnaturschutzunion (IUCN) 20 000 bis 25 000 Eisbären taut der eisige Lebensraum unter den Tatzen weg. Allein die Population im Gebiet des M?Clintock-Kanals in Nordkanada ist von früher einmal 900 auf weniger als 300 Tiere zurückgegangen.

Der anthropogene, also vom Menschen verursachte Klimawandel und die zunehmende Erwärmung der Atmosphäre machen vor dem Kühlschrank unserer Erde nicht Halt. Gerade die sensiblen polaren Regionen reagieren auf globale Umweltveränderungen schneller als andere Gebiete der Erde. So beobachten Wissenschaftler ein verstärktes Abschmelzen der Gletscher auf Grönland, da dort die Null-Grad-Isotherme (Linie gleicher Temperatur) stetig nach Norden und die Berge hinauf wandert. Erst im Dezember letzten Jahres kam es im Ayles-Schelfeis vor Kanada 800 Kilometer südlich des Nordpols zum Abbruch eines großen Eisberges. Und im März 2002 brach am Larsen-Schelf in der Antarktis ein gigantischer Eisberg von der Fläche Luxemburgs ab.

"Im Winter ist die arktische Eisbedeckung allerdings nur geringfügig zurückgegangen", bemerkt Haas. "Warum das so ist, wissen wir nicht. Wir kennen auch noch nicht das genaue Eisvolumen, da wir die Eisdicke nicht abschätzen können." Und auch die Beobachtung, dass der Eisschild in der westlichen Antarktis zunimmt, lässt die Experten rätseln. Diesen und anderen Fragen widmet sich nun das Internationale Polarjahr 2007/08, das offiziell im März in Berlin eröffnet wird. "Mehr als 60 Länder und 50 000 Wissenschaftler sind an dem Großprojekt beteiligt", erklärt sichtlich stolz Jörn Thiede, Direktor des AWI und federführender Initiator. "Eine Milliarde Euro wird in den nächsten Jahren in die Erforschung der Polargebiete investiert."

Erstmalig in der 125-jährigen Geschichte des Internationalen Polarjahres wird dabei jeweils ein ganzer Jahreszyklus in der Arktis und Antarktis erforscht. In der Vergangenheit gab es bereits alle 25 bis 50 Jahre groß angelegte internationale Initiativen wie das 1. (1882/83) und das 2. Internationale Polarjahr (1932/33) und das Internationale Geophysikalische Jahr (1957/58). Genau genommen ist das Polarjahr sogar eine deutsche Erfindung. Denn es geht zurück auf Georg von Neumayer, den ersten Direktor der deutschen Seewarte: Um die ersten globalen Wetterkarten zu zeichnen, wurde seinerzeit erstmalig eine Reihe von Mess- und Beobachtungsstationen in Sibirien gebaut und so der Grundstein für die systematische Polarforschung gelegt.

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