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19.07.2016

14:10 Uhr

Islands Feuerberge

Ein Vulkan bricht alle Rekorde

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Bevor die isländische Fußballnationalmannschaft die EM aufmischte, machten vor allem die Vulkane der Insel im Nordatlantik Schlagzeilen. Vor allem ein Ausbruch der jüngsten Vergangenheit hatte es in sich.

Lavafontänen schießen in die Höhe beim Ausbruch des Vulkans Bardarbunga im August 2014. Reuters

Vulkan Bardarbunga

Lavafontänen schießen in die Höhe beim Ausbruch des Vulkans Bardarbunga im August 2014.

HeidelbergIm August 2014 brach der isländische Vulkan Bardarbunga aus – und blieb über Monate aktiv. Erst im Februar 2015 ging dem Feuerberg schließlich die Puste aus. Eine Datenanalyse von Sebastian Heimann vom Geoforschungs-Zentrum GFZ in Potsdam und seinen Kollegen fasst jetzt zusammen, wie gewaltig die Eruptionen tatsächlich waren.

Der Ausbruch war demnach der größte in Europa seit 1783/84, als der Laki – ebenfalls auf Island – aktiv war und den Europäern ein Jahr ohne Sommer bescherte. Die von der Bardarbunga ausgestoßene Lava bedeckte schließlich eine Fläche von mehr als 80 Quadratkilometern mit mehreren Metern Mächtigkeit.

Der Volumenverlust sorgte dafür, dass das Dach der Magmakammer nachgab. Dieser so genannte Kaldera-Einbruch ist der größte, der je direkt beobachtet wurde. Kalderen sind kesselförmige vulkanische Strukturen mit einem Durchmesser von einem bis zu 100 Kilometern.

Das Gebiet gab nach, weil das Magma aus seinem Reservoir in zwölf Kilometer Tiefe über einen langen unterirdischen Kanal abfloss und schließlich 45 Kilometer entfernt auf dem Holuhraun-Lavafeld austrat. Während des Nachgebens traten Dutzende Erdbeben der Stärke 5 auf, wie Seismometer-Aufzeichnungen zeigen.

„Mit einer Fläche von etwa 110 Quadratkilometern ist dies der größte Kaldera-Einbruch, der je instrumentell beobachtet wurde. Die Ergebnisse liefern das bisher deutlichste Bild von Ursprung und Entwicklung dieses rätselhaften geologischen Prozesses“, so Eoghan Holohan vom GFZ.

Island und Europa kamen aber glimpflich davon. Denn die Magmakammer liegt unter dem größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, und die Absenkung selbst war mit Eis gefüllt. Für Heimanns Kollegen Thomas Walter war das daher auch „Glück im Unglück“. Denn wäre der Ausbruch direkt unter dem Eisschild erfolgt, hätte es zu einer Wasserdampfexplosion kommen können.

„Dann wären wir vielleicht mit einer noch deutlich größeren und länger andauernden Aschewolke konfrontiert gewesen als beim Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010“, so Walter. Die Bardarbunga setzte insgesamt mehr als zwei Kubikkilometer glühendes Gestein aus, fast zehnmal mehr als der Eyjafjallajökull.

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