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05.09.2014

12:23 Uhr

Isolierstationen

Ärzte üben in Deutschland für den Ebola-Ernstfall

Sie arbeiten wie in einer Plastiktüte: Unter extremen Bedingungen üben deutsche Ärzte für den Ebola-Ernstfall in speziellen Isolierstationen. Die Kosten für eine Station: drei Millionen Euro.

Die Assistenzärztin Maria Koch (r) demonstriert die Funktion einer Isolierstation im Robert-Bosch-Krankenhaus. Das gefährliche Virus breitet sich immer weiter in Westafrika aus – in Deutschland bereitet man sich auf den Ernstfall vor. dpa

Die Assistenzärztin Maria Koch (r) demonstriert die Funktion einer Isolierstation im Robert-Bosch-Krankenhaus. Das gefährliche Virus breitet sich immer weiter in Westafrika aus – in Deutschland bereitet man sich auf den Ernstfall vor.

StuttgartIn gelben Schutzanzügen gekleidet kümmern sich zwei Ärzte im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus um eine Ebola-Patientin. Konzentriert kontrollieren sie die Werte der Kranken und untersuchen ihren Bauch am Ultraschallgerät.

Was das Fachpersonal im dritten Stock der Klinik durchspielt, soll auf den Ernstfall vorbereiten. „Wir sehen uns gut gewappnet“, sagt Eduard Stange, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie.

Die Isoliereinheit ist eine von acht Stationen in Deutschland, in der ein möglicher Ebola-Kranker behandelt werden kann - und zudem die einzige in Baden-Württemberg. Ihre Einrichtung kostete etwa drei Millionen Euro. „Die Wahrscheinlichkeit eines Ebola-Verdachtsfalles ist relativ hoch“, sagt Chefarzt Stange. Dass es sich am Ende aber tatsächlich um den Erreger handle, sei sehr unwahrscheinlich.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Das gefährliche Virus breitet sich immer weiter in Westafrika aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet mehr als 20 000 Infizierte in den nächsten Monaten. Etwa jeder zweite Patient stirbt.

Wenn ein Verdachtsfall nach Deutschland kommt, gelten strenge Kriterien, wie Oberarzt Oliver Müller in Stuttgart erklärt: „Zwischen Flughafen und Krankenhaus darf zu keiner Zeit die Gefahr bestehen, dass das Virus sich verbreitet.“ Der Patient wird in der Isoliereinheit unter Quarantäne gestellt.

Dieser Spezialbereich ist Teil einer Überwachungsstation, auf der sonst Normalbetrieb herrscht. Wenn ein Patient mit Verdacht auf Ebola eintrifft, geht das Team in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt koordiniert vor. Nach dem „Go“ der Behörde werden Patienten von der Überwachungsstation gebracht.

Kommentare (1)

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Herr Friedrich Kunz

05.09.2014, 20:17 Uhr

Die Frage sei erlaubt: Warum richtet man nicht zentral in Deutschland eine Klinik nur für EBOLA-Fälle ein? Wäre das nicht effizienter, kostengünstiger und vor allem sicherer, als in x-Kliniken Seuchenstationen einzurichten? Kocht hier wieder jedes Bundesland sein eigenes Süppchen?

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