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05.09.2014

19:16 Uhr

Kampf gegen Ebola

Grünes Licht für Einsatz experimenteller Wirkstoffe

Die Vereinten Nationen appellieren an die Staatengemeinschaft. Sie fordern 460 Millionen Euro, um den vom Ebola-Virus betroffenen Ländern zu helfen. Derweil haben Experten den Einsatz experimenteller Wirkstoffe erlaubt.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sendete einen Ebola-Notruf an die Staatengemeinschaft. AFP

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sendete einen Ebola-Notruf an die Staatengemeinschaft.

New York/MonroviaEin Experten-Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Freitag grünes Licht für den Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika gegeben. Die Experten wollen damit Therapien auf der Grundlage einer Verabreichung von Blutplasma und bislang noch ungetesteter Seren ermöglichen. Solche Therapien seien „ab sofort“ in den betroffenen Ländern zulässig.

Zugleich gab die WHO in Genf bekannt, dass die Sicherheit von zwei ersten Impfstoffen, die derzeit noch in der Erprobungsphase sind, im November feststehen sollen. Eines der beiden Seren sei Ende September in Mali getestet worden, teilte die WHO weiter mit.

Seit Donnerstag diskutierten rund 200 Experten auf Einladung der WHO in Genf über eine Liste mit zwei Impfstoffen und acht Medikamenten zur Behandlung von Ebola, darunter das Medikament ZMapp. Keines dieser Pharmaprodukte ist bislang klinisch erprobt. Nach WHO-Angaben sind mittlerweile allein in den drei am schwersten betroffenen Ländern 2097 Menschen an Ebola gestorben. Aus Guinea, Liberia und Sierra Leone seien insgesamt 3944 Fälle von wahrscheinlichen oder bestätigten Ebola-Infektionen gemeldet worden. Hinzu kämen 23 Fälle mit 8 Toten in Nigeria, wo der Ausbruch bislang besser unter Kontrolle ist. Zuletzt hatte die WHO von 1841 Toten in den drei Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone gesprochen, die bis zum 31. August registriert worden seien.

Die Vereinten Nationen haben derweil in New York ein Krisenzentrum zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie eingerichtet. „Was als Gesundheits-Notsituation begonnen hat, entwickelt sich gerade zur sozialen und wirtschaftlichen Herausforderung für Millionen von Menschen“, sagte UN-Generalsekretär Ban am Freitag in New York nach einem Gespräch unter anderem mit Vertretern der WHO und der Weltbank.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

„Wir mobilisieren auf allen möglichen Wegen. Heute schicken wir gemeinsam einen internationalen Notruf raus“, sagte Ban. „Das Ziel ist, die Ausbreitung von Ebola in den betroffenen Ländern in den kommenden sechs bis neun Monaten zu stoppen und die internationale Ausbreitung des Virus zu verhindern.“

Ban appellierte an die internationale Gemeinschaft, die von der WHO benötigten 600 Millionen Dollar (etwa 460 Millionen Euro) für die Unterstützung der betroffenen westafrikanischen Länder aufzubringen. Auch mehr Experten würden dringend gebraucht. Fluglinien und Schifffahrtgesellschaften dürften zudem keine Flüge und Schiffslinien nach Westafrika mehr streichen, denn sonst könne nicht ausreichend medizinische Versorgung zu den Betroffenen gelangen.

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