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02.11.2016

10:01 Uhr

Kampf gegen Krankheitsüberträger

Mit Mücken gegen Mücken

Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen, wie der Zika-Ausbruch in Südamerika einmal mehr gezeigt hat. Jetzt hofft ein Unternehmen, die gefährlichen Überträger wirkungsvoll bekämpfen zu können – mit Mücken.

Gentechnisch veränderte Mücken sollen potenziell gefährliche Artgenossen ausschalten. dpa

Mückenschwarm

Gentechnisch veränderte Mücken sollen potenziell gefährliche Artgenossen ausschalten.

PiracicabaIhr Leben hat nur einen Zweck: Es soll Artgenossen den Tod bringen. Mit genetisch veränderten Mücken will eine britische Firma die Ausbreitung des Zika-Virus und anderer Tropenkrankheiten eindämmen.

Paaren sich die männlichen Moskitos aus dem Labor mit den Weibchen der Überträgerart Aedes aegypti, erbt der Nachwuchs einen Gendefekt. Der lässt ihn sterben, bevor er Menschen gefährlich werden kann.

Auch die genetisch veränderten Männchen würden bald nach der Paarung sterben, wirbt das Unternehmen Oxitec für seine Methode. Das Labor im brasilianischen Piracicaba kann Woche für Woche 60 Millionen genveränderte Mücken produzieren. „Das ist die erste und größte Produktionsstätte ihrer Art“, sagte Oxitec-Chef Hadyn Parry.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Er plant, ganz Brasilien aus mit den todbringenden Mücken zu versorgen. Bislang hat Oxitec jedoch nur einen Abnehmer – die Stadt Piracicaba. Denn noch hat die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa die Methode nicht zugelassen.

Auch fehlen noch eindeutige Belege, dass die Zahl der Zika-Krankheitsfälle beim Menschen nach dem Freisetzen der manipulierten Mücken tatsächlich zurückgeht. Zudem warnen Umweltschützer vor möglichen Langzeitfolgen der Methode.

Oxitec ist trotzdem von der Wirksamkeit seiner Methode überzeugt: Nach Feldversuchen 2011 und 2014 in Panama, auf den Kaiman-Inseln und im brasilianischen Bundesstaat Bahia sei die Population der Aedes aegypti um 90 Prozent zurückgegangen, erklärt das Unternehmen. Diese Mücken können neben Zika auch Denguefieber, Gelbfieber und Chikungunyafieber übertragen.

„Wir erwarten die Zulassung durch Anvisa 2017“, ist Parry zuversichtlich. Der Bürgermeister von Piracicaba hat schon jetzt einen Vierjahresvertrag mit Oxitec abgeschlossen. Jede Woche sollen demnach zehn Millionen Labormücken in der Stadt mit 360.000 Einwohnern freigesetzt werden.

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