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30.01.2016

17:06 Uhr

Kap Hoorn

Eisiger Mythos am Ende der Welt

Der Sturm wirft das Schiff hin und her, die Segel vereisen, die schroffe Felsenküste ist gefährlich nahe: Kap Hoorn ist ein Alptraum für Seeleute. Vor 400 Jahren gelang zwei Niederländern die erste Umsegelung.

Das deutsche Segelschulschiff Alexander von Humboldt passiert die berüchtigte Landmarke an der Südspitze Südamerikas. dpa

Windjammer vor Kap Hoorn

Das deutsche Segelschulschiff Alexander von Humboldt passiert die berüchtigte Landmarke an der Südspitze Südamerikas.

Hoorn/UshuaiaIm Hafen von Hoorn dümpelt friedlich der stolze Dreimaster „De Halve Maen“. Am Bug des schmalen hohen Schiffsrumpfes aus dunklem Holz hängt ein gelber Halbmond, an den Masten flattern die Wimpel. Hinter dem Nachbau des berühmten Schiffes aus dem 17. Jahrhundert ragt der alte dickbäuchige Festungsturm der niederländischen Kaufmannsstadt empor. Fast fühlt man sich zurück versetzt ins Jahr 1615.

Damals verließ genau so ein Schiff den Hafen der blühenden Kaufmannsstadt im Westen von Amsterdam mit Kurs auf ... Tja, das genau wusste damals niemand. „De Eendracht“ (Eintracht), so der Name des Seglers, sollte eine neue westliche Passage in den Pazifik finden. Und das tat sie.

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Vor 400 Jahren, am 29. Januar 1616, umrundeten Willem Cornelisz Schouten und Jacob Le Maire die Südspitze Südamerikas und tauften diese nach ihrem Heimathafen: Kap Hoorn. Die kleine Felseninsel wurde weltweit zum Symbol für den Kampf gegen die Elemente, für Steuermannskunst und Durchsetzungsvermögen. Kap Hoorn wurde ein Mythos.

Drei Jahre lang sollte die Reise von Schouten und Le Maire dauern. „Eine Reyse rondom de geheele Aerdkloot“ schrieb Schouten in sein Logbuch – eine Reise um den gesamten Erdball. Der Anlass der Fahrt war profan: Rache. Der Niederländer Dirk Jan Barreveld schrieb ein Buch über den Initiator der mythischen Seereise. „Dahinter stand Isaac Le Maire, ein reicher holländischer Kaufmann“, erzählt er.

Am Anfang steht ein Pyrrhussieg

Isaac hatte demnach einen Konflikt mit der übermächtigen Vereinigten Ostindischen Kompanie, kurz VOC. Diese Vereinigung holländischer Kaufleute hatte im 17. Jahrhundert das Monopol auf den Handel mit Asien auf der Route zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magellanstraße in den Pazifik. Isaac Le Maire wollte die VOC ins Mark treffen, das Monopol brechen – und suchte darum nach einer eigenen Passage. Außerdem hoffte er, mit seiner dafür gegründeten „Australischen Compagnie“ das bisher unbekannte „Südland“ zu entdecken, die Terra Australia.

Daraus wurde zwar nichts. Aber die beiden Seefahrer entdeckten eine Durchfahrt am argentinischen Feuerland, die Le Maire-Straße zum Kap Hoorn. „Für Isaac war es ein Pyrrhussieg“, sagt der Historiker Barreveld. Sein Sohn Jacob und Schouten wurden später von Männern der VOC festgenommen, ihr Schiff beschlagnahmt. Isaac sollte noch jahrelang gegen die VOC prozessieren. Der Rachefeldzug kostete ihn 1,5 Millionen Gulden, sagt Barreveld.

Dass Schouten und Le Maire überhaupt mit heiler Haut davonkamen, ist ein kleines Wunder. „Das ist eine der gefährlichsten Routen der Welt“, sagt Barreveld. Er selbst fuhr jahrelang zur See. „Dort stürmt es fast immer von Westen. Es ist eiskalt, die Segel vereisen, es ist ein Alptraum.“

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