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09.08.2011

10:06 Uhr

Katastrophenschutz

Erster Test für Tsunami-Warnsystem im Mittelmeer

Noch ist es ein reiner Kommunikationstest. Doch mit dem Probelauf am Mittwoch nimmt das Tsunami-Warnsystem im Mittelmeer Gestalt an. Die Region gehört zu den weltweit am stärksten von Monsterwellen bedrohten Gebieten.

Nach schweren Seebeben stellen Monsterwellen noch über tausende Kilometer hinweg eine Bedrohung dar. Quelle: dpa

Nach schweren Seebeben stellen Monsterwellen noch über tausende Kilometer hinweg eine Bedrohung dar.

IstanbulDie Katastrophe kam kurz nach Weihnachten. Am 28. Dezember 1908 zerstörte eine zwölf Meter hohe Flutwelle nach einem schweren Erdbeben die Region um das süditalienische Messina, fast 90.000 Menschen starben. Im Mittelmeerraum sind Tsunamis eine Jahrtausende alte Bedrohung – 1500 Jahre vor Christus soll ein Vulkanausbruch auf der Ägäisinsel Santorini einen mindestens 35 Meter hohen Tsunami ausgelöst haben. Nach langwieriger Vorbereitung wollen 31 Staaten der Region nun ein Frühwarnsystem in Aktion treten lassen. Am Mittwoch wird es erstmals getestet.

Gemessen an den dramatischen Ereignissen der Vergangenheit ist der bevorstehende Test eher unspektakulär. „Keine große Sache“, sagt Öcal Necmioglu, der für den Tsunami-Test verantwortliche Wissenschaftler der Erdbebenwarte der türkischen Metropole Istanbul (Koeri). „Wir schicken eine Meldung.“

Per Mail, Fax und über das Globale Kommunikationssystem der Meteorologischen Organisation der Uno wird die Botschaft vom Bosporus aus verschickt. Die Adressaten sollen sich so bald wie möglich nach Eingang der Botschaft melden. Damit soll festgestellt werden, ob der Informationsfluss im Ernstfall schnell und sicher funktioniert, so dass Schutzmaßnahmen wie Evakuierungen eingeleitet werden könnten.

Das Mittelmeer-Warnsystem war nach dem schweren Seebeben in Südostasien Ende 2004 mit seinen mehr als 200.000 Todesopfern eingerichtet worden. Differenzen zwischen den Teilnehmerstaaten sorgten allerdings dafür, dass lange Zeit nur wenig Konkretes geschah. An dem System sind nicht nur unmittelbare Mittelmeer-Anrainer beteiligt, sondern auch Staaten des „Nordost-Atlantik und angrenzender Meere“, wie es bei der Uno heißt. Tsunamis nach schweren Seebeben wandern über hunderte und manchmal tausende von Kilometern. Auch Beben und Tsunamis im Ost-Atlantik, wie jene, die 1755 die portugiesische Hauptstadt Lissabon in Schutt und Asche legten, stellen deshalb eine Gefahr für die Region bis zur Türkei und Zypern dar.

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