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18.12.2014

07:59 Uhr

Kaum Mehrwert für Patienten

Nur gut jedes zweite neue Medikament hilft

In neue Arzneimittel werden viele Hoffnungen gesetzt. Vor allem Patienten und Ärzte versprechen sich bessere Hilfe. Doch die Erwartungen erfüllen sich nicht immer. Das zeigt eine neue Bilanz des Bundesausschusses.

Nicht jede neue Pille hat auch einen Nutzen für den Patienten. dpa

Nicht jede neue Pille hat auch einen Nutzen für den Patienten.

BerlinNeue Arzneimittel gegen schwere Krankheiten nutzen den Patienten in vielen Fällen nicht mehr als die gewohnten Medikamente. Offizielle Prüfungen haben ergeben, dass in 55 Prozent der Fälle der neue Wirkstoff den bereits gängigen Therapien überlegen ist. Das zeigt eine neue Bilanz des zuständigen höchsten Gremiums im Gesundheitswesen, des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. Von mittlerweile fast 100 Präparaten, die bisher nach den seit 2011 geltenden Regeln bewertet wurden, erkannten die Prüfer bei 20 einen beträchtlichen Zusatznutzen. Einen geringen Mehrwert bescheinigten die Prüfer 25 Medikamenten. Acht Mittel bekamen einen Zusatznutzen bescheinigt, der allerdings nicht näher quantifizierbar sei.

Die größten Mogelpackungen

Scheininnovationen

In neuen Medikamenten steckt oft gar kein neuer Wirkstoff. Doch mit einem neuen Patent auf eine leicht abgewandelte Rezeptur können Pharmariesen höhere Medikamentenpreise durchsetzen. Welche Arzneien auf alten Rezepturen fußen.

Verhütungspille Zoely

Seit Anfang des Jahres ist die Verhütungspille auf dem deutschen Markt erhältlich. Das "Arznei-Telegramm" bemängelt die schlechte Verträglichkeit des Präparats und auftretende Nebenwirkungen wie Akne, Blutungsunregelmäßigkeiten, Gewichtszunahme oder psychische Störwirkungen.

Psychopharmaka Seroquel und Lyrica

Die Medikamente werden bei Epilepsie oder Angststörungen eingesetzt. Experten bezweifeln aber, ob sie mehr nutzen als bewährte Arzneien.

Cholesterin-Senker Inegy

Auch der Cholesterin-Senker Inegy nutze den Patienten nicht, meinen Experten.

Grippemedikament Tamiflu

Wie Wissenschaftler der Cochrane Collaboration herausgefunden haben wollen, bringt Tamiflu den Patienten keinen Zusatznutzen. Es gebe keine Beweise dafür, dass das Grippemittel schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen verhindern könnten, erklärt das Team um den britischen Epidemiologen Tom Jefferson. Trotzdem setzte der Pharmariese Roche mit dem Mittel Milliarden um.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

18.12.2014, 09:36 Uhr

So ist es eben, wenn das Leben der Menschen zum reinen Geschäft verkommt, und keiner etwas dagegen tut.

Und so werdenauch wirksame Medikamente zurückgehalten, denn nur ein kranker Patient ist ein gewinnbringender Patient!

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