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19.01.2007

10:25 Uhr

Kein Einfluss auf deutsche Vorhaben

Erdwärmeprojekt löst Erdbeben aus

VonOliver Stock und Hans Schürmann

In Basel hat in wenigen Wochen mehrmals die Erde gewackelt. Ein Projekt zur Energiegewinnung aus Erdwärme hat leichte Beben ausgelöst. Die Schockwellen verunsicherten die Schweizer Bevölkerung und Politiker. Letztere setzten dem Geothermie-Projekt jetzt ein vorzeitiges Ende.

BASEL/DÜSSELDORF. Passiert ist folgendes: Im vergangenen Jahr erhielt Geopower, ein eigens zu diesem Zweck gegründetes Schweizer Unternehmen mit acht regionalen Energiedienstleistern und zwei Kantonen als Aktionären an Bord, die Genehmigung in Kleinhünigen bei Basel ihr „Deep Heat Mining“-Projekt zu starten. Dabei geht es darum, Wärme aus den Tiefen der Erde zu gewinnen und zur Energieversorgung nutzbar zu machen. Die Geologen errichteten dafür einen Turm, von dem aus sie mit einem Bohrer bis in 5 000 Meter Tiefe vordrangen.

Die Temperatur an dieser Stelle beträgt rund 200 Grad. Anschließend pressten sie Wasser durch das Bohrloch ins Gestein mit dem Ziel, vorhandene Poren und Klüfte zu verbreitern. Zum Schluss sollte ein regelrechter Wasserkreislauf installiert werden: Kaltes Wasser sollte in die heiße Erde gepumpt werden, sich erhitzen und ins Fernwärmenetz von Basel eingespeist werden. 30 Jahre mindestens, so hatten die Geologen errechnet, würde die Energie für etwa 10 000 Haushalte reichen. Doch so weit kam es nicht.

Am 8. Dezember wackelte in einem Radius von 15 Kilometern rund um das Bohrloch zum ersten Mal die Erde. Das Beben mit einer Stärke von 3,4 auf der einschlägigen Skala war auch in Deutschland zu spüren. Das kantonale Bauamt in Basel war alarmiert und ließ die Bohrungen umgehend einstellen. Obwohl seither kein Wasser mehr fließt, bebt die Erde weiter. Eine Woche nach dem ersten Stoß wurde Basel von einem Nachbeben der Stärke 2,5 erschüttert. Am 6. Januar wackelte es in der Stadt und ihrer Umgebung mit der Stärke 3,1.

In dieser Woche rumste es erneut. Größere Schäden gab es nicht. Aber die Mitarbeiter einer Hot-Line, die Geopower eingerichtet hat, haben nach eigenen Worten gut zu tun, um verunsicherte Bürger zu beruhigen.

Inzwischen wird der Bohrturm abgebaut, womit alle Beteiligten zeigen wollen, dass sie das Projekt so schnell nicht mehr fortsetzen werden. Ende Januar will die kantonale Regierung in Basel endgültig über das weitere Vorgehen entscheiden. Viel Hoffnung, dass es weiter geht, hat Geopower-Sprecher René Kindhauser nicht. „Es wird sicher eine längere Unterbrechung geben“, sagt er. Falls es gar nicht mehr weitergehe, so rechnet er vor, seien die 40 Mill. Euro an Risikokapital, das die Aktionäre investiert haben, im wahrsten Sinne in den Sand gesetzt.

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