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13.12.2014

10:19 Uhr

Kennzeichnungspflicht

Nano steht ab jetzt auf der Verpackung

Nanopartikel in Lebensmitteln müssen ab sofort in der Zutatenliste auftauchen. Bei Kosmetika existiert die Pflicht bereits. Nano bedeute nicht automatisch riskant, betonen Experten - raten aber auch zur Vorsicht.

Lebensmittel müssen künftig auf der Verpackung verraten, ob sie Nanopartikel enthalten. dpa

Lebensmittel müssen künftig auf der Verpackung verraten, ob sie Nanopartikel enthalten.

BerlinAuf der Zutatenliste mancher Lebensmittel wird in Zukunft der Begriff „Nano“ auftauchen. „Ab 13. Dezember gilt die neue Lebensmittelinformationsverordnung der EU“, sagt Ralf Greiner vom Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe. „Alle technisch hergestellten Nanomaterialien müssen dann auf der Zutatenliste mit dem Zusatz „Nano“ kenntlich gemacht werden.“ Der Begriff wird in Klammern hinter der jeweiligen Substanz stehen.

Ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Als „Nano“ werden von der EU Partikel mit weniger als 100 Nanometern Durchmesser eingestuft. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar kommt auf etwa 80.000 Nanometer, Viren auf 50 bis 100 Nanometer.

Viele Lebensmittel wie Instant-Suppen, Salz, Kaffeeweißer enthalten zum Beispiel Partikel aus Siliziumdioxid, damit sie nicht verklumpen. Winzige Titandioxidkrümel lassen Kaugummis, Dragees und Joghurt-Dressings weiß strahlen. Sowohl beim Silizium- als auch beim Titandioxid seien die Partikel zwar im Allgemeinen größer als 100 Nanometer, erklärt Greiner. Es sei aber nicht auszuschließen, dass ein gewisser Anteil kleiner sei. Die Einstufung als „Nano“ gelte auch dann, wenn nur ein Teil der Substanz die Größendefinition erfülle. Die Lebensmittel müssten dann entsprechend deklariert werden.

Das ändert sich zum 13. Dezember

Neue Kennzeichnung für Lebensmittel

Für Lebensmittel gelten vom 13. Dezember an neue Vorschriften bei der Kennzeichnung. Hier wichtigsten Änderungen.

Schriftgröße

Bei Pflichtangaben wie den Zutaten müssen die gedruckten Buchstaben mindestens 1,2 Millimeter groß sein, bei kleineren Packungen mindestens 0,9 Millimeter groß.

Pflanzliche Öle

Bei raffinierten pflanzlichen Ölen und Fetten muss der Ursprung genannt werden - also nicht nur „Pflanzenfett“, sondern „Pflanzenfett (Kokos)“.

Fleisch und Fisch

Wenn ein Fleischprodukt etwa mit Enzymen aus kleinen Teilen zusammengeklebt wurde, muss aufs Etikett „aus Fleischstücken zusammengefügt“. Das gilt auch für Fischprodukte.

Fleisch und Fisch II

Falls Fleisch oder Fisch mit so viel Wasser aufgespritzt wurde, dass es mehr als fünf Prozent des Gewichts ausmacht, muss dies auf der Packung vermerkt sein. Das gilt nur für Fleisch- oder Fischstücke, die aussehen, als ob sie ein Teil eines Tierkörpers sind - also nicht für Wurst, Pastete oder Fischklöße.

Tiefkühlkost

Bei Fisch und Fleisch muss in einem Aufdruck „eingefroren am...“ das Datum genannt werden.

Nano

Produkte können zugesetzte winzige Nanopartikel enthalten, etwa um Stoffe besser löslich zu machen. Dann muss künftig hinter dem Inhaltsstoff das Wort „Nano“ aufgedruckt werden.

Internet

Bei online angebotenen verpackten Lebensmitteln müssen alle Pflichtangaben wie Zutaten, Allergieauslöser und Füllmenge vor dem Kauf-Klick einsehbar sein - das Mindesthaltbarkeitsdatum ausgenommen.

Wahrscheinlich werde die Industrie aus Furcht vor der Verbraucherreaktion aber vorerst auf Zutaten verzichten, die als Nanomaterialien im Sinne der Verordnung definiert werden könnten, nimmt Greiner an. Gezielt hergestellte Nanomaterialien spielten im Lebensmittelbereich noch keine große Rolle, ergänzt der Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik des MRI, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Das habe aus seiner Sicht vor allem zwei Gründe: „Unklare gesetzliche Regelungen und die Furcht, dass der Verbraucher das negativ bewertet.“

Weltweit gesehen stelle zurzeit der Verpackungssektor den Hauptteil der Anwendungen von Nanomaterialien im Lebensmittelsektor, sagt Greiner. In der EU seien in dem Bereich bisher nur Siliziumdioxid (als Nanobeschichtung auf der inneren Oberfläche von PET) und Titannitrid (zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit) als Nanomaterial für Verpackungsmaterialien zugelassen.

Künftig seien Lebensmittel denkbar, in denen empfindliche Substanzen in Nanopartikel eingekapselt sind. „Damit können hitzelabile Stoffe wie Vitamine geschützt oder auch die Verfügbarkeit für den Körper erhöht werden“, erklärt Greiner. Substanzen ließen sich in Nanokäfigen unbeschadet durch den Magen bringen. Allerdings werde „Nano“ in Deutschland derzeit eher als Warnhinweis denn als Information verstanden.

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