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30.11.2015

09:46 Uhr

Kernfusionsanlage Wendelstein 7-X

Die Sonne auf die Erde holen

Wenn in der Sonne Wasserstoff-Atomkerne zu Helium verschmelzen, entsteht Energie. Fusionsforscher in Greifswald wollen die Sonne auf die Erde holen: Die Kernfusions-Testanlage Wendelstein 7-X steht vor dem Start.

Energie nach Art der Sonne gewinnen. dpa

Kernfusions-Testanlage Wendelstein 7-X

Energie nach Art der Sonne gewinnen.

GreifswaldZwischen superheiß und superkalt liegen im Greifswalder Kernfusionsexperiment nur wenige Zentimeter. Das hinter 1,80 Meter dicken Betonwänden errichtete Forschungsprojekt Wendelstein 7-X erkundet eine neue, bislang nicht genutzte Form der Energiegewinnung, die Verschmelzung von Atomkernen ähnlich den Prozessen auf der Sonne. Doch das Vorhaben stößt auch auf Kritik, nicht nur wegen der Kosten.

Gelingen den Physikern die Experimente, wäre man der kohlenstofffreien Energiegewinnung aus nahezu unerschöpflichen Ressourcen um Riesenschritte nähergekommen, ist Institutschef Thomas Klinger überzeugt. Die „Maschine“, wie Klinger die Testanlage nennt, ist nach zehn Jahren Hauptmontage und einigen Rückschlägen betriebsbereit.

Kernfusion

Energiequelle der Sonne

Die Kernverschmelzung ist die Energiequelle der Sonne und anderer Sterne. Ziel der Fusionsforschung ist es, aus der Verschmelzung von Atomkernen ähnlich diesen Naturprozessen in Kraftwerken Energie zu gewinnen.

Große Mengen Energie

Ein Gramm Brennstoff könnte nach Angaben der Fusionsforscher in einem Kraftwerk 90.000 Kilowattstunden Energie erzeugen – die Verbrennungswärme von 11 Tonnen Kohle.

Keine Kettenreaktion

Anders als bei der Kernspaltung in konventionellen Atomkraftwerken werden bei der Fusion nur minimale Mengen Radioaktivität freigesetzt. Zudem kann die Fusion im Gegensatz zur Kernspaltung nicht zu einer Kettenreaktion führen.

Technologisch ist die 725 Tonnen schwere Anlage mit Tausenden Verkabelungen, Schweißnähten, Messanlagen sowie Leitungs- und Heizungssystemen hochkomplex. Testweise sei in dem technisch hochgerüsteten, 16 Meter großen Vakuum-Ring ein Magnetfeld erzeugt worden – und das, so Klinger, entspreche genau den physikalischen Vorhersagen. „Es ist uns gelungen, die Magnete so präzise zu bauen, dass die Annahmen komplett erfüllt sind.“

Doch bis zum Start dürften noch einige Wochen vergehen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hat die Betriebsgenehmigung noch nicht erteilt. Für die Behörde gelte Qualität vor Schnelligkeit, sagte Amtsleiter Heiko Will. Die Antragsunterlagen seien vom Institut vollständig eingereicht und würden in enger Abstimmung mit dem TÜV Rheinland geprüft.

„Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird dem IPP ein entsprechender Genehmigungsbescheid zugeleitet und gegebenenfalls notwendige Auflagen erteilt“, so Will. An diesem Montag will die Behörde ihre Entscheidung bekanntgeben.

Die Sonne macht vor, was Fusionsforscher seit Mitte des 20. Jahrhunderts erforschen: aus Wasserstoff ein Plasma zu erzeugen, das unter hohen Temperaturen zu Helium fusioniert und dabei gigantische Mengen Energie freisetzt. Im Sonneninneren verschmelzen pro Sekunde unter Temperaturen von 15 Millionen Grad und extremem Druck rund Millionen Tonnen Wasserstoff zu Millionen Tonnen Helium.

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