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29.07.2016

11:09 Uhr

Klima-Archiv in der Antarktis

Forscher wollen Eis zum Südpol bringen

Eis gibt es eigentlich mehr als genug am Südpol. Trotzdem wollen Forscher noch mehr davon in die Antarktis bringen. Dahinter steht die Idee, ein Klima-Archiv zu retten, das durch die globale Erwärmung bedroht wird.

Um die in Gletschern gespeicherten Klimainformationen zu retten, wollen Forscher Eisproben in der Antarktis einlagern. dpa

Gletscher in der Antarktis

Um die in Gletschern gespeicherten Klimainformationen zu retten, wollen Forscher Eisproben in der Antarktis einlagern.

GrenobleEis in die Antarktis zu schaffen, wirkt auf den ersten Blick so wie Eulen nach Athen zu tragen. Doch genau das planen Wissenschaftler in einem großangelegten Projekt: Aus Gletschern in aller Welt entnommene Eisproben sollen am Südpol für künftige Forschungen sicher gelagert werden.

Die Eisschichten der Gletscher sind wahre Klima-Archive, die über die Veränderungen in der Atmosphäre der vergangenen Jahrtausende Auskunft geben. Mit der weltweit zu beobachtenden Gletscherschmelze in Folge der Erderwärmung droht dieser Schatz für die Wissenschaft verloren zu gehen.

„Wir wollen nicht einfach aus Spaß ein paar Eiswürfel lagern“, sagt der französische Forscher Jérôme Chappellaz. „Das Eis ist eine Informationsquelle.“ Denn wenn sich nach Schneefall neue Eisschichten bilden, werden winzige Luftbläschen und Partikel eingeschlossen und über Jahrtausende konserviert. Aus ihnen können Forscher Erkenntnisse über die damaligen Klimaverhältnisse gewinnen.

Zusammen mit weiteren Kollegen aus Frankreich, Italien und Russland wird Chappellaz im August im Mont-Blanc-Massiv drei Eisbohrkerne mit einer Länge von jeweils 140 Metern aus einem Gletscher holen. In den Eisschichten lassen sich unter anderem Luftverschmutzung und industrielle Aktivitäten in Europa nachvollziehen. 1986, das Jahr der Tschernobyl-Katastrophe, schlägt sich beispielsweise mit einer hohen Konzentration des radioaktiven Elements Cäsium 137 nieder.

Vor allem aber sind Chappellaz und seine Kollegen davon überzeugt, dass der technische Fortschritt künftig noch ganz andere Analysemethoden ermöglichen wird. „Es ist unmöglich zu sagen, was in 50 oder 100 Jahren wissenschaftlich möglich ist“, sagt der Forscher. „Was wird man messen können? Und was für Rückschlüsse lässt das für Umwelt, Klima oder Biologie zu?“ Zu erwarten seien beispielsweise neue Technologien bei der Erforschung der Mutation von Viren und Bakterien, die im Eis eingeschlossen sind.

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