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05.12.2016

12:58 Uhr

Klimawandel in der Nordsee

Strandkrabbe statt Scholle

Nordseefischer müssen sich durch den Klimawandel wohl auf veränderte Fänge einstellen. Wie Forscher herausgefunden haben, wandelt sich in den Kinderstuben der Nordseelebewesen der Arten-Mix.

Tiere, die wärmere Gewässer bevorzugen, sind in der Nordsee auf dem Vormarsch. dpa

Strandkrabbe

Tiere, die wärmere Gewässer bevorzugen, sind in der Nordsee auf dem Vormarsch.

Frankfurt/Wilhelmshaven Der Klimawandel macht sich nach Daten von Forschern in der Tierwelt des Wattenmeeres bereits deutlich bemerkbar. Klassische Nordseearten wie Scholle und Kabeljau, die es kälter mögen, seien seltener geworden, berichtet das Team um Ingrid Kröncke von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Wilhelmshaven. Im Gegenzug seien Seezungen, Strandkrabben und Schwimmkrabben hinzugekommen, die wärmere Temperaturen bevorzugen.

Die Meeresbiologen hatten die Arten-Zusammensetzung im Jadebusen, einer mehr als 160 Quadratkilometer umfassenden Nordsee-Meeresbucht, untersucht. Sie gilt als Kinderstube für viele kommerziell genutzte Fischarten. Für die im Fachjournal „Estuarine, Coastal and Shelf Science“ vorgestellte Langzeituntersuchung wurden Daten zum Tierbestand aus den Jahren 1972 bis 2014 berücksichtigt.

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Bei den „Aufsteigern“ handle es sich nicht um eingeschleppte Spezies, sagte Kröncke. „Das sind alles einheimische Arten.“ Der Anstieg der Nordseetemperatur habe die kälteliebenden Tiere weiter nordwärts ziehen lassen, andere seien nachgerückt. „Unsere Daten zeigen, dass sich die Artenzusammensetzung in den Jahren 1988 und 2001 veränderte. Dies ist durch den globalen Klimawandel und die damit verbundene Erhöhung der Wassertemperatur bedingt“, erklärte Kröncke.

Wahrscheinlich sei, dass der Wandel sich weiter fortsetze, wie schnell es vielleicht auch den Krabben zu warm im Wattenmeer sei, lasse sich aber nicht vorhersagen. „Deshalb brauchen wir eine Langzeitbeobachtung.“

Die Artenzusammensetzung im Jadebusen hat nicht nur Auswirkungen auf das Wattenmeer, sondern die gesamte Nordsee. Bislang galt der Jadebusen als wichtige „Kinderstube“ von Fischarten wie Kabeljau und Scholle. Für die Fischer vor Wilhelmshaven wirke sich der Wandel ganz direkt aus: „Die Kabeljaubestände sind schon eingebrochen, und auch die Scholle wandert nach Norden aus.“ Nach Norden, das heißt im Fall des Kabeljau: vor Grönland. Strandkrabben seien beim heimischen Verbraucher weniger gefragt: „Die müssen dann eher nach China exportiert werden“, sagte Kröncke.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr carlo wagner

06.12.2016, 13:53 Uhr

Schon die Überschrift ist falsch. Eigentlich müsste es heißen "Strandkrabbe statt Mammut". Wo vor erdgeschichtlich noch sehr, sehr kurzer Zeit unsere Vorfahren Mammuts und Wisente gejagten, ist heute die Nordsee. Bedingt durch den Klimawandel ist in den letzten 20.000 Jahren der Meeresspiegel um ca. 120 m angestiegen und dieser Trend setzt sich immer noch, wenn auch deutlich abgeschwächt, weiter fort. Siehe z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=ErC0tRmVTVg http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/mammut-jagd-in-der-nordsee-auf-spurensuche-im-watt-100.html

Herr Hans von Wecheln

06.12.2016, 15:57 Uhr

Frau Krönke ist eine versierte Benthologin, aberkeine Expertin auf dem Gebiet der Fischerei. Im Text heißt es, sie hat im Jadebusen Proben genommen. Es ist schon etwas abenteuerlich, vom Jadebusen auf die ganze Nordsee zu extrapolieren.
Das Geschehen dort wird von zwei Effekten geprägt: dem Jade-Weser-Port (hydrografische Veränderungen) und Anstieg der Seehundpopulation in Küstengewässern. Letztere dezimieren die Fischvorkommen in den Küstengewässern.
Nordseeweit hat der Kabeljau-Bestand zugenommen, die deutsche Quote steigt, der Schollenbestand ist ebenfalls auf historischem Höchststand. Seezunge ist stabil im grünen Bereich (msy-Niveau). Alles nachlesbar beim ICES.
„Strandkrabbe statt Scholle“ werden wir in der hiesigen Fischerei nicht mehr erleben.
Stattdessen haben wir bis nach Helgoland zunehmende Fänge von Roten Meerbarben aus dem Süden.

Der Artikel zeigt eigentlich nur, wie bereitwillig und ungeprüft angebliche Fakten verbreitet werden, was die negativen Effekte von Klimawandel zu belegen scheint. Ein Anruf beim TI oder beim Fischereiverband hätte geholfen.

Herr Heinz Hertlein

08.12.2016, 15:22 Uhr

@carlo wagner
Sie sind nur halbinformiert:: nicht nur der globale Temperaturanstieg hat sich begonnen mit der industriellen Revolution bis heute ungewöhnlich stark beschleunigt, wenn man ihn mit der Geschwindigkeit der Anstiegs seit der letzten Eiszeit bis zur industriellen Revolution vergleicht. Dieser Temperaturanstieg zeigt die zu erwartende Wirkung auf das Niveau des Meeresspiegels und die Geschwindigkeit mit der sich dieser ändert.

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