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18.01.2007

16:30 Uhr

Klimawandel verursacht Trockenheit

Monsun in Indien, Dürre in Indonesien

In Europa werden aktuell die Folgen des Klimawandels eifriger diskutiert als jemals zuvor. Ein Ausblick auf dessen Folgen geben die Wetterverhältnisse in Asien. Größere Zusammenhänge wurden bislang nicht erkannt. So ist es neu, dass ein starker Monsun auch angrenzende Gebiete beeinflusst.

(fk) DÜSSELDORF. Eine unerwartete Verbindung zwischen dem asiatischen Monsun und einem kürzlich festgestellten Schwanken der Meerwassertemperaturen im Indischen Ozean haben Geologen und Klimatologen entdeckt. Die in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichten Erkenntnisse zeigen, dass die Folgen künftiger Monsun-Regenfälle deutlich großräumiger und intensiver sein werden als bislang vorhergesagt.

Das so genannte "Indian Ocean Dipole" (IOD) - erst 1999 entdeckt - ist ein Klimaphänomen vergleichbar mit El Niño / Südliche Oszillation (ENSO). Während eines "positiven" IOD-Ereignisses fällt die Temperatur der Meeresoberfläche im südöstlichen Teil des Indischen Ozeans von Nordaustralien über ganz Indonesien bis Japan, während sie zwischen Madagaskar und Somalia steigt. Bei einem negativen IOD ist es umgekehrt. Dadurch kommt es in Indien (bei positivem IOD) beziehungsweise Indonesien (bei negativem IOD) verstärkt zu Konvektionsregen: Oberflächenwasser verdampft in großen Mengen und kondensiert in der Höhe zu "Kumulonimbus-Wolken", die häufig zu Gewittern führen. Die Zusammenhänge zwischen IOD und dem asiatischen Monsun-System und El Niño waren bisher unklar.

Nerilie J. Abram von der Australischen Nationalen Universität in Canberra und eine internationale Forschergruppe haben Bohrkerne aus Korallenriffs bei den indonesischen Mentawi-Inseln untersucht, die als "Klima-Proxy" geochemische Daten für die Rekonstruktion der Meeresoberflächentemperatur und Regenfallmengen in den vergangenen 6 500 Jahren liefern. Der asiatische Monsun veränderte sich in dieser erdgeschichtlich sehr kurzen Zeit deutlich.

Die Forscher stellten fest, dass IOD-Ereignisse stark beeinflusst vom asiatischen Monsun sind. Modell-Simulationen suggerierten, dass starke Abkühlungen und Trockenzeiten in Indonesien die Folge von Winden waren, die durch den starken asiatischen Monsun im mittleren Holozän (vor 7000 bis 4000 Jahren) angetrieben wurden. "Die Verbindung von IOD und Monsun lässt schließen, dass die sozioökonomischen Auswirkungen der projizierten Veränderungen in der Stärke des asiatischen Monsuns sich über ganz Australasien (Australien, Neuseeland und Indonesien) erstrecken werden", schreiben die Autoren.

Klimatologen rechnen damit, dass der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten den asiatischen Monsun deutlich verstärken wird. Wenn Abram Recht hat, dann sind die Folgen dieser Veränderung (Trockenheit in Indonesien) bislang unterschätzt worden.

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