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29.07.2014

09:41 Uhr

Kometensonde Rosetta

Besuch beim Quietscheentchen

In wenigen Tagen wird die Sonde Rosetta ihr Ziel, den Kometen Tschuri erreichen. Der hatte Forscher zuletzt durch seine ungewöhnliche Form verblüfft – und das dürfte nicht die letzte Überraschung gewesen sein.

Nach zehnjähriger Reise wird Rosetta Anfang August den Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erreichen. ap

Nach zehnjähriger Reise wird Rosetta Anfang August den Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erreichen.

KölnDass die jahrelange Reise der Rosetta-Kometensonde durchs All eine Mission ins Ungewisse werden würde, haben die Forscher schon lange gewusst. Doch nun könnte sich Rosettas Flug zu ihrem Zielkometen als noch spannender erweisen als gedacht.

Kurz vor ihrer weltweit mit Spannung erwarteten Ankunft beim Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko (Tschuri) am 6. August hat die europäische Raumsonde den Wissenschaftlern eine faustdicke Überraschung präsentiert. Aktuelle Rosetta-Bilder des Kometen zeigen einen Himmelskörper, der ganz anders aussieht als von den Astronomen erwartet.

Warum uns Kometen faszinieren

Warum sind Kometen so interessant?

Kometen sind Botschafter aus der Entstehungszeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Sie bestehen aus Eis, gefrorenem Gas und Staub. Die Erforschung ihrer genauen Zusammensetzung kann ein neues Licht auf die Geschehnisse in der Frühzeit von Sonne, Erde und anderen Planeten werfen.

Außerdem glauben manche Forscher, dass ein Teil des Wassers auf der Erde von Kometen-Einschlägen stammt - und wahrscheinlich auch viele organische Moleküle, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Leben gespielt haben.

Wieso galten Kometen früher als Unglücksboten?

Die imposanten Expemplare unter den Schweifsternen hatten für unsere Vorfahren etwas Bedrohliches – weil sie plötzlich auftauchen, stellten sie aus damaliger Sicht die eigentlich festgefügte kosmische Ordnung in Frage. Heute wissen die Forscher, dass Kometen vom Rand des Sonnensystems stammen und sich ihre Gas- und Staubschweife bei der Annäherung an die heiße Sonne bilden.

Ist Rosetta die erste Mission zu einem Kometen?

Nein. Irdische Forschungssonden sind bereits mehrfach nahe an Kometen vorbeigeflogen, beispielsweise am berühmten Halleyschen Kometen bei dessen bislang letzter Annäherung an die Sonne 1986. 2005 feuerte die US-Kometensonde Deep Impact ein Projektil auf den Kometen Temple 1 ab.

Auch Asteroiden, die wie Kometen zu den Kleinkörpern im Sonnensystem zählen, waren bereits Ziel von Raumfahrt-Missionen. Der japanischen Hayabusa-Sonde gelang es 2005 sogar, Bodenproben auf dem Asteroiden Itakawa zu nehmen.

Was macht die Rosetta-Mission dann einzigartig?

Die am 2. März 2004 gestartete Rosetta ist die erste Sonde, die einen Kometen umkreisen soll. Philae wiederum ist das erste Landegerät, das weich auf einem Kometenkern aufsetzen soll.

Warum dauerte Rosettas Reise mehr als zehn Jahre?

Seit ihrem Start 2004 hat Rosetta mehr als 6,4 Milliarden Kilometer im All zurückgelegt. Dreimal musste sie auf ihrer Reise Schwung bei Umrundungen der Erde holen, einmal passierte sie den Mars, zweimal begegnete sie kleinen Asteroiden. Im Juni 2011 wurde die Sonde schließlich aus Energiespargründen vorübergehend in eine „Tiefschlafphase“ versetzt.

Warum wurde ausgerechnet dieser Komet als Ziel ausgewählt?

Rosettas Zielkomet war ursprünglich ein anderer: Die insgesamt rund eine Milliarde Euro teure Mission sollte zum Kometen 46P/Wirtanen führen. Doch vor dem geplanten Start im Januar 2003 gab es eine schwere Panne mit der damals neuen Version der europäischen Ariane-5-Rakete – mit der Folge, dass Rosetta am Boden blieb und das Startfenster zum Kometen Wirtanen verpasste. Sozusagen als Ersatz suchten die Forscher dann als Reiseziel Tschurjumov-Gerasimenko („Tschuri“) aus.

Was wissen die Forscher über den Zielkometen?

Tschuri ist für die Wissenschaftler eine fremde Welt. Entdeckt wurde er 1969 von den Forschern Klim Tschurjumov und Svetlana Gerasimenko. Tschuris Kern scheint einen Durchmesser von drei mal fünf Kilometern zu haben – und er ist ganz anders geformt als erwartet. Jüngste Bilder zeigen, dass er aus zwei deutlich getrennten Teilen besteht – gleichsam einem Kopf und einem Körper. Aus der Ferne gesehen erinnert der Komet daher an ein Plastik-Entchen.

„Dieser Komet scheint völlig anders zu sein als jeder andere, den wir zuvor gesehen haben“, erläuterte der Forscher Carsten Güttler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. „Die Bilder erinnern mich vage an ein Quietscheentchen.“

Damit hat der europäische Kometenjäger Rosetta den Wissenschaftlern bereits kurz vor seinem Eintreffen bei Tschuri ein erstes Rätsel aufgegeben: Wie erhielt der Komet seine entenartige Form? Weitaus tiefschürfender sind allerdings die Fragen, die Rosettas Daten langfristig beantworten sollen: Was genau geschah bei der Geburt des Sonnensystems, und wie ist später das Leben auf die Erde gekommen?

Antworten darauf könnten Analysen der Zusammensetzung von Tschuri liefern, der wie die anderen Kometen ein Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren ist. Doch wenn die knapp drei mal zwei mal zwei Meter große Rosetta-Sonde nach mehr als zehnjähriger Reise durchs All am 6. August ihren Kometen erreicht, beginnt erst einmal eine Serie von heiklen Manövern: Die vom Darmstädter Kontrollzentrum der europäischen Weltraumagentur ESA gesteuerte Sonde soll in eine Umlaufbahn um Tschuri einschwenken und zunächst die Oberfläche des Kometen kartieren.

In der ersten Novemberhälfte wird Rosetta dann den in der Sonde mitgeführten Lande-Roboter Philae auf der Kometenoberfläche absetzen. Dies wird vom DLR in Köln gesteuert.

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