Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.09.2014

13:50 Uhr

Kometensonde Rosetta

Landung auf dem Entenkopf

Der Zielort für die erste Landung eines von Menschen gebauten Raumfahrzeugs auf einem Kometen steht fest. Die Europäische Weltraumorganisation Esa hat sich für den Kopf des „Entenkometen“ Tschuri entschieden.

Die geplante Landestelle des Landers Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko. AFP

Die geplante Landestelle des Landers Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko.

ParisErstmals in der Geschichte der Raumfahrt haben Wissenschaftler einen Landeplatz auf einem Kometen ausgewählt. Der Landeroboter der europäischen Kometensonde Rosetta soll am 11. November beinahe mitten auf dem „Kopf“ des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko aufsetzen, wie die Europäische Weltraumagentur ESA am Montag in Paris mitteilte. Rosetta hatte seinen Zielkometen am 6. August nach zehnjähriger Reise durch das Sonnensystem erreicht.

Mit der Rosetta-Landeeinheit Philae wird zum ersten Mal ein von Menschen geschaffenes Gerät auf einem Kometen landen. Die Wissenschaftler hatten zunächst fünf mögliche Philae-Landestellen auf dem Kometen untersucht, den Wissenschaftler Tschuri getauft haben. Der Himmelskörper erinnert der Form nach an eine Spielzeugente mit einem kleineren Kopf auf einem größeren Körper.

Raumsonde Rosetta

Was ist Ziel des Projekts?

Mit der Mission will die europäische Weltraumorganisation Esa einen der ursprünglichsten Himmelskörper erkunden. Kometen sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher – etwa in Form bestimmter Proteinbausteine.

Wie lang ist Rosetta schon unterwegs?

Vor fast elf Jahren, am 2. März 2004, hob Rosetta an Bord einer Ariane 5-Rakete ab. Seitdem umkreiste Rosetta fünf Mal die Sonne und nahm bei drei Vorbeiflügen an der Erde und einem Vorbeiflug am Mars Geschwindigkeit auf. Rund 6,4 Milliarden Kilometer ist sie nun schon durch das Sonnensystem gereist.

Welche Instrumente sind an Bord?

Die Raumsonde hat elf Instrumente dabei. Zu ihnen gehören vier unter deutscher Projektleitung. Osiris zum Beispiel kommt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Es ist ein hochauflösendes Kamerasystem, mit dem die Form, Größe, Rotation und chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfasst wird. Die knapp einen Kubikmeter große Rosetta-Landeeinheit namens Philae hat zehn Instrumente an Bord, unter anderem ein System aus Sensoren für die Temperaturmessung auf und unter der Oberfläche.

Wie teuer ist das Projekt?

Gut eine Milliarde Euro kostet das Projekt. Es steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

Unter den fünf Landeplatz-Kandidaten wählten die Forscher jetzt die bevorzugte Landestelle auf der Oberfläche des Kopfes von Tschuri aus. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) handelt es sich um einen Landeplatz „mit einer abwechslungsreichen, aber nicht zu sehr zerklüfteten Landschaft mit einer guten Beleuchtung durch die Sonne und kaum steilen Hängen“. Als Ausweichlandeplatz wurde eine Region seitlich auf dem „Körper“ des Kometen bestimmt, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen mitteilte.

Von der historischen Rosetta-Mission der ESA erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Die Muttersonde Rosetta und das Minilabor Philae sollen den Kometen bei dessen Annäherung an die Sonne monatelang detailliert untersuchen. Die bevorstehende Landung von Philae auf dem Kometen wird vom DLR in Köln gesteuert.

Die Rosetta-Sonde mit Philae an Bord legte seit ihrem Start im März 2004 rund 6,4 Milliarden Kilometer zurück. Auf dem Weg zu ihrem Zielkometen nahm sie dreimal Schwung bei Umrundungen der Erde, einmal passierte sie den Mars, zweimal begegnete sie Asteroiden. Auf ihrem Flug war Rosetta für mehr als zweieinhalb Jahre in einen Schlafmodus versetzt worden, aus dem sie erst am 20. Januar dieses Jahres wieder erwachte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×