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10.02.2005

09:15 Uhr

Forschung + Medizin

Kraken bauen sich einen Menschenarm

Wenn Kraken sich mit ihren langen Greifarmen ein Stück Beute ins Maul stopfen, benutzen sie den jeweiligen Arm ganz ähnlich wie der Mensch: Sie versteifen das ansonsten flexible Körperteil und lassen es nur drei Stellen beweglich - genau wie Handgelenk, Ellbogen und Schulter.

Krake

"Octopus vulgaris" im Aquarium des Museums für Naturkunde Karlsruhe

dpa LONDON. Wenn Kraken sich mit ihren langen Greifarmen ein Stück Beute ins Maul stopfen, benutzen sie den jeweiligen Arm ganz ähnlich wie der Mensch: Sie versteifen das ansonsten flexible Körperteil und lassen es nur drei Stellen beweglich - genau wie Handgelenk, Ellbogen und Schulter.

Damit zeige sich, dass diese Unterteilung von Gliedmaßen die optimale Lösung für das Heranholen von Objekten sei, berichten israelische Wissenschaftler im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 433, S. 595) vom Donnerstag.

Binyamin Hochner von der Hebrew Universität in Jerusalem und seine Mitarbeiter hatten Kraken (Octopus vulgaris) gefilmt, während sie mit ihren Armen ein Stück Futter ergriffen und zu ihrem Maul führten: Gleich nachdem sie die Beute mit ihren Saugnäpfen geschnappt hatten, bildeten die Kraken quasi „Gelenke“ aus, einem am unteren Ende des Greifarms und einen in der Mitte, wie die Auswertung der Filmaufnahme ergab. Der Ansatz des Armes am Rumpf fungierte als drittes Pseudo- Gelenk. Durch die Beugung des mittleren Gelenks zieht der Krake das Beutestück zu sich heran, Rotationen des vorderen Gelenks bringen es schließlich direkt ins Maul hinein. Die genauere Auswertung ergab, dass die Abschnitte zwischen dem vorderen und dem mittleren, beziehungsweise dem mittleren und dem hinteren Gelenk - also quasi Unter- und Oberarm - fast genau gleich lang waren. Die Arme seien damit genauso unterteilt wie die von Wirbeltieren, schreiben die Forscher.

Einen Unterschied zu den Wirbeltieren stellten die Wissenschaftler allerdings fest: Die Kraken können die Geometrie ihres Armes an die jeweilige Situation anpassen. Je nach dem, auf welcher Höhe des Armes das Futterstück lag - ob sie es also eher mit hinteren oder vorderen Saugnäpfen ergriffen - waren die Abschnitte etwas länger oder kürzer.

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