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15.12.2016

16:36 Uhr

Künstliche Befruchtung in Großbritannien

Ein Baby mit drei Elternteilen

Mit Genmaterial von drei Menschen sollen bei einer künstlicher Befruchtung einige Erbkrankheiten ausgeschlossen werden. Großbritannien gibt jetzt die umstrittene Methode frei. Experten raten dennoch zur Vorsicht.

Die herkömmliche Befruchtung findet lediglich über zwei Menschen statt. Durch hinzuziehen einer zweiten Frau, ist die Chance höher, Erbkrankheiten auszuschließen. dpa

Künstliche Befruchtung

Die herkömmliche Befruchtung findet lediglich über zwei Menschen statt. Durch hinzuziehen einer zweiten Frau, ist die Chance höher, Erbkrankheiten auszuschließen.

LondonGroßbritannien erlaubt als erstes Land weltweit die künstliche Befruchtung mit Genmaterial von drei Menschen. Die zuständige Aufsichtsbehörde gab am Donnerstag endgültig grünes Licht für die umstrittene Methode, mit der die Übertragung einer schweren Erbkrankheit verhindert werden soll. Das Parlament in London hatte die künstliche Erzeugung von Babys mit drei Elternteilen bereits im Februar 2015 gebilligt.

Nach dem Votum des Parlaments war noch die Erlaubnis der Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) notwendig, damit Kliniken die Methode anwenden können. Sie betrifft Frauen, die unter einer Fehlfunktion der Mitochondrien leiden.

Stammzellen

Adulte Stammzellen

Adulte Stammzellen finden sich unter anderem im Knochenmark. Die Zellen dort produzieren diverse Bestandteile des Blutes.

Embryonale Stammzellen

Embryonale Stammzellen (ES-Zellen) haben das größte Entwicklungspotenzial. Sie können alle Gewebe des Körpers bilden – bis zum vollständigen Lebewesen. Menschliche ES- Zellen werden aus überzähligen Embryonen gewonnen, die bei der künstlichen Befruchtung nicht eingesetzt wurden.

Induzierte pluripotente Stammzellen

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) werden aus Körperzellen erzeugt. Ein biochemischer Cocktail reprogrammiert die adulten Zellen, eine Art molekularer Jungbrunnen.

Geklonte Stammzellen

Geklonte Stammzellen entstehen, wenn der Kern einer Körperzelle in eine entkernte Eihülle transferiert wird. In der Hülle wird das Zellprogramm quasi auf Anfang zurückgestellt – die einst spezialisierte Körperzelle wird wieder zur Generalistin.

Rund 125 Babys werden jedes Jahr in Großbritannien mit einer sogenannten Mitochondriopathie geboren. Diese wird von der Mutter vererbt. Die Mitochondrien sind winzige Organismen in den Zellen, die Glukose in Energiemoleküle verwandeln. Bei einer Fehlfunktion verfügt der Organismus nicht über ausreichend Energie, was zu schweren degenerativen Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche führen kann.

Bei der in Newcastle entwickelten Technik wird die Übertragung der Mitochondriopathie von der Mutter auf das Kind blockiert, indem die defekte Mitochondrie aus der Eizelle entfernt und durch eine Mitochondrie einer anderen Frau ersetzt wird. Die andere Frau bleibt dabei anonym. Die so veränderte Eizelle wird anschließend im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und dann in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt.

Das so entstehende Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen nur gering ist: Die DNA einer Mitochondrie macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

HFEA-Chefin Sally Cheshire nannte die Entscheidung ihrer Behörde „historisch und wichtig“. Die Zulassung der Methode sei eine "Weltneuheit". Patienten, für die die Behandlung in Frage komme, seien jetzt wahrscheinlich „wirklich froh“. Cheshire riet aber dazu, bei der Umsetzung weiter „Vorsicht“ walten zu lassen.

Genforschung: Großbritannien erlaubt Genmanipulation an Embryonen

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Britische Forscher wollen das Erbgut von Embryonen verändern, um neue Therapien gegen Unfruchtbarkeit zu entwickeln und die Technik der künstlichen Befruchtung zu verbessern. Eine Aufsichtsbehörde hat das jetzt erlaubt.

Die ersten Frauen könnten bereits im März oder April mit der Methode behandelt werden, wenn das Forschungszentrum in Newcastle das entsprechende Programm startet. "Wir sind hocherfreut über die heutige Entscheidung", sagte Doug Turnbull, Leiter des Zentrums für Mitochondrienforschung der Universität Newcastle. Geplant sei, dass „bis zu 25 sorgfältig ausgewählte Patientinnen“ pro Jahr behandelt werden.

Der Vorsitzende des Vereins für Betroffene von Muskelschwäche, Robert Meadowcroft, sagte, die Entscheidung gebe betroffenen Eltern „zum ersten Mal neue Hoffnung und eine Wahlmöglichkeit“. Er mahnte zugleich Vorsicht an: „Wir erkennen an, dass dieser Ansatz eine gewisse Unsicherheit birgt und dass der Erfolg nicht garantiert ist“, sagte er.

In diesem Jahr wurde bereits ein Baby mit drei Elternteilen in Mexiko geboren, wo es keine gesetzliche Regelung dazu gibt. Großbritannien ist das erste Land weltweit, das das Verfahren offiziell erlaubt. Während die Befürworter der Methode darin einen riesigen medizinischen Fortschritt sehen, befürchten die Gegner, dass die Methode der Erzeugung von Designer-Babys Tür und Tor öffnen könnte.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.12.2016, 17:26 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

TRAUTMANN

Danke

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