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15.02.2012

13:57 Uhr

Kugelsternhaufen

Die letzten Überlebenden eines kosmischen Massakers

Astronomen haben die Entstehung der riesigen Kugelsternhaufen rund um unsere Milchstraße untersucht. Die kompakten Sternengruppen sind Überlebende eines kosmischen Massakers vor Milliarden Jahren.

Der Kugelsternhaufen M80 im Sternbild Skorpion. Er enthält mehrere hunderttausend Sterne. dpa

Der Kugelsternhaufen M80 im Sternbild Skorpion. Er enthält mehrere hunderttausend Sterne.

DüsseldorfUm unsere Milchstraße schwirren etwa 200 kompakte Gebilde, die in kleinen Teleskopen wie Schneebälle aussehen. Mit einem Alter von 13 Milliarden Jahren sind diese Kugelsternhaufen fast so alt wie das Universum. Sie liefern Astronomen wichtige Hinweise darauf, wie die ersten Sterne und Galaxien entstanden sind.

Forscher aus Deutschland und den Niederlanden haben nun die Geburt dieser Objekte am Computer simuliert – mit überraschendem Resultat: Demnach sind diese riesigen Sternhaufen aus jeweils bis zu einer Million Sonnen die einzigen Überlebenden eines Massakers, bei dem ihre kleineren Geschwister zerstört wurden.

Am Computer simulierten die Forscher um Diederik Kruijssen vom Max-Planck-Institut (MPI) für Astrophysik, was passiert, wenn Galaxien miteinander kollidieren. Stoßen zwei Milchstraßensysteme zusammen, so kommt es zu einem sogenannten Starburst, einer stellaren Massengeburt: Innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit entstehen helle, junge Sternhaufen in vielen verschiedenen Größen.

Lange vermuteten Astronomen, dass sich durch diesen Prozess die Gesamtzahl der Sternhaufen in den Galaxien erhöhen müsste. Doch die Simulationen der MPI-Forscher zeigen, dass genau das Gegenteil passiert: Nur die hellsten und größten Haufen überstehen eine kosmische Kollision, weil sie durch die Anziehungskraft ihrer Sterne zusammengehalten werden.

Die kleineren Haufen dagegen werden durch die sich rasch ändernden Gravitationskräfte während der Starbursts zerstört, und zwar schon kurz nach ihrer Geburt. „Es ist wirklich eine Ironie des Schicksals, dass Starbursts zum einen viele junge Sternhaufen entstehen lassen, die Mehrheit von ihnen aber gleichzeitig auch wieder zerstören“, sagt Diederik Kruijssen.

Die Beobachtung erklärt, warum alle Kugelsternhaufen aus nahezu gleich vielen Sternen bestehen – ein Charakteristikum, das sie von den viel jüngeren offenen Sternhaufen unterscheidet. Da im frühen Universum kosmische Unfälle – und damit Starbursts – an der Tagesordnung gewesen sein müssen, sind nur Kugelsternhaufen oberhalb einer bestimmten Sternenmenge auf uns gekommen. „Ihre kleineren Geschwister, die nicht so viele Sterne enthielten, waren dazu verdammt zerstört zu werden“, so Kruijssen.

Von

tt

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