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13.08.2014

11:59 Uhr

Kuriose Wissenschaft

Johannes Kepler und die Rätsel des Obststapels

VonThomas Trösch

Nun weiß die Welt das auch: Obsthändler machen alles richtig, wenn sie ihre Ware zu hübschen Pyramiden aufstapeln. Ein Mathematiker hat das 400 Jahre alte Problem dahinter gelöst – und das kurioserweise gleich zweimal.

Johannes Kepler (1571-1630). Der Astronom und Mathematiker stellte die Keplersche Vermutung auf, sie zu beweisen gelang erst 400 Jahre später. dpa

Johannes Kepler (1571-1630). Der Astronom und Mathematiker stellte die Keplersche Vermutung auf, sie zu beweisen gelang erst 400 Jahre später.

BerlinEigentlich glaubte sich Thomas Hales schon am Ziel, als er die mathematische Fachwelt im August 1998 über seine revolutionäre Entdeckung informierte. Er habe die Keplersche Vermutung bewiesen, berichtete der US-Forscher in E-Mails an Kollegen in aller Welt – ein Problem, an dem sich Mathematiker seit 400 Jahren die Zähne ausgebissen hatten.

Doch Hales Enthusiasmus erwies sich als verfrüht – bis zum endgültigen Beweis seiner kühnen Behauptung sollten noch einmal 16 Jahre vergehen. Vergangenen Sonntag, so berichtet das Wissenschaftsportal New Scientist, ist Hales nun die Bestätigung gelungen, dass er 1998 tatsächlich richtig lag.

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Was es mit Keplers Vermutung auf sich hat, lässt sich beim Obsthändler oder im Supermarkt anschaulich erfahren: Wenn Orangen oder Äpfel zu hübschen Pyramiden aufgestapelt werden, steckt dahinter die Erkenntnis, dass es keine platzsparendere Möglichkeit gibt, um Kugeln zu schichten. Die Vorteile der Kugel-Pyramide hatte als erster der große Mathematiker und Astronom Johannes Kepler (1571-1630) postuliert, allerdings ohne einen gültigen mathematischen Beweis mitzuliefern.

400 Jahre lang hielt das knifflige Problem die Fachwelt in Atem, bis sich Hales an einer Lösung versuchte – die ihm unter massivem Computereinsatz schließlich auch gelang. Doch die Sache hatte einen Haken: Das 300 Seiten starke Manuskript, das er zur Veröffentlichung seiner Lösung dem angesehenen Fachmagazin „Annals of Mathematics“ schickte, erwies sich für die Redakteure als ähnlich große Herausforderung wie Keplers Stapelproblem selbst.

Nicht weniger als zwölf Gutachter brüteten vier Jahre lang über Hales Elaborat, um schließlich zu einem für den Mathematiker unbefriedigenden Ergebnis zu kommen: Man sei zu 99 Prozent von seiner Beweisführung überzeugt, letzte Gewissheit habe man aber nicht erreichen können.

Kommentare (1)

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Herr Andreas Glöckner

13.08.2014, 13:01 Uhr

Ich frage mich, wie es dem Apfel in der Mitte geht, in der dritten Schicht von unten. Ich denke da so an unsere Klassengesellschaft.

In unserem geordneten Leben mit einer vergleichbaren Ordnungsstruktur fühlt man sich auch manchmal gequetscht. Wir können wenigstens mal raus, uns abgrenzen. Das ist dann die Suche nach dem größtmöglichen Abstand zu unserem Nachbarn. Unsere Gleichung liegt im Ergebnis dann auch so in etwa bei Null: einfach mal abschalten.


Und wenn der Wurm kommt? Dann ist es wohl schon vorbei mit unserem Dasein. Da sind wir dem Apfeldasein in der Pyramide des Gemüsehändlers wieder sehr nah.

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