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06.01.2009

11:10 Uhr

Lautloses Fliegen

Business-Jet fliegt mit Concorde-Tempo

VonAnatol Johansen

Der Traum vom lautlosen Fliegen mit Überschallgeschwindigkeit rückt immer näher. Mit einem überdimensionalen Teleskop-Mast will der amerikanische Flugzeughersteller Gulfstream dem lautstarken Überschallknall entgegenwirken – allerdings muss der Hersteller des Überschall-Business-Jets noch ein Sichtproblem lösen.

Start der legendären Concorde vom Flughafen London Heathrow im Jahre 2003. Aufgrund ihrer enormen Lärmentwicklung durfte der Flieger über Land nicht schneller als der Schall fliegen. Foto: ap ap

Start der legendären Concorde vom Flughafen London Heathrow im Jahre 2003. Aufgrund ihrer enormen Lärmentwicklung durfte der Flieger über Land nicht schneller als der Schall fliegen. Foto: ap

HAMBURG. Fliegen mit Überschall. Fünf Jahre nachdem die letzte Concorde ausgemustert wurde, träumen Flugzeugbauer in Europa, Amerika und Asien von einer neuen Ära für die faszinierende Technik. Vorher müssen die Firmen allerdings zunächst ein zentrales Problem lösen: Sie müssen einen Weg finden, die Lärmbelästigung durch den Überschallknall zu beseitigen.

Der starke Knall, den die Concorde hinter sich herzog, hatte dazu geführt, dass ihr schon ab 1968 verboten war, über Land schneller als der Schall zu fliegen. Damit aber konnte die Überschallmaschine selbst auf Fernstrecken – wie etwa nach Fernost oder Australien – ihren wesentlichen Vorteil gegenüber den um die Hälfte langsameren Passagiermaschinen nicht voll ausspielen. Dieses Handicap trug neben den hohen Betriebskosten und der zu geringen Reichweite zu dem kommerziellen Misserfolg des Supervogels bei.

Jetzt hofft man jenseits des Atlantiks, das Überschall-Problem prinzipiell gelöst zu haben. Die auf Geschäftsreiseflugzeuge spezialisierte Firma Gulfstream Aerospace (Savannah/Georgia), eine Tochter der General Dynamics (Falls Church/Virginia), hat im Rahmen ihres schon mehrere Jahre laufenden Forschungsprogramms „Quiet Supersonic Jet“ (QSJ) jetzt einen Weg zur weitgehenden Vermeidung des Überschall-Lärms demonstriert.

Als neue und wirksame Waffe gegen den lautstarken Überschallknall hat der Flugzeugbauer einen 4,5 Meter langen und 210 Kilogramm schweren Teleskop-Mast entwickelt, der aus der Flugzeugspitze nach vorne ragt. Für den Überschallflug wird der aus Faserverbundwerkstoff gefertigte sogenannte „Quite Spike“ auf eine Länge von knapp acht Metern ausgefahren. Dadurch verbessert sich die Aerodynamik der Maschine derart, dass nur noch ein sehr vermindertes Überschall-Geräusch entsteht.

Der Hersteller hat die neue Technik mit Hilfe der Nasa erprobt und inzwischen auch patentieren lassen. „Wir haben sozusagen den Krach aus dem Überschall genommen“, freut sich Pres Henne, der für Tests und Ingenieurwesen verantwortliche Senior Vice President der Firma. Die neue Technik sorge dafür, dass „die meisten Menschen am Boden nicht einmal merken würden, wenn eine Überschallmaschine über sie hinweg flöge“, freut sich Henne.

Die Luft- und Raumfahrtbehörde stellte für die Flugtests eines ihrer schnellsten Versuchsflugzeuge zur Verfügung, einen F-15B-Überschalljäger. Mit ihm wurde die neue Technik mit voll ausgefahrenem Spike bis Mach 1,8 im Flug getestet. „Das entspricht etwa der doppelten Schallgeschwindigkeit“, erläutert Nasa-Testpilot Jim Smolka. Der Spike habe dabei ganz hervorragend funktioniert.

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