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11.06.2016

14:43 Uhr

Lebende Organfabrik

Mensch-Schwein-Chimären sollen Spenderorgane liefern

Spenderorgane sind rar. Einige Forscher sehen in tierischen Organfabriken eine mögliche Lösung: Schweine, in denen menschliche Organe heranwachsen. Kritiker warnen allerdings vor Risiken.

Zukünftig sollen Spenderorgane für Menschen in Schweinen herangezüchtet werden. Kritiker warnen vor massiven Problemen. dpa

Saugut

Zukünftig sollen Spenderorgane für Menschen in Schweinen herangezüchtet werden. Kritiker warnen vor massiven Problemen.

DavisNoch klingt es nach Zukunftsmusik, aber Forscher arbeiten daran: Menschliche Organe in Schweinen heranzüchten. Ein Forscherteam der University of California in Davis pflanzte einer Sau kürzlich Embryonen ein, die neben tierischem auch menschliches Erbgut enthielten. Das Ziel: In den ungeborenen Ferkeln sollten menschliche Bauchspeicheldrüsen heranwachsen. Mit dem Ansatz könnten irgendwann passgenaue Spenderorgane gezüchtet werden, hoffen Prof. Pablo Ross und seine Kollegen. Allerdings gibt es noch viele Fragezeichen – und große ethische Bedenken.

Ein Problem ist: Die menschlichen Erbgut-Bestandteile könnten auch in andere Körperteile des Tieres vordringen, etwa in das Gehirn. Im Extremfall könnten Schweine mit vermenschlichtem Hirn entstehen. Dieses Risiko sei gering, sagt Ross. Aber auszuschließen sei es nicht. In vorangegangenen Versuchen hatten sich die verwendeten menschlichen Stammzellen tatsächlich in verschiedenen Körperregionen heranwachsender Schweineföten angesiedelt.

Wie läuft eine Organspende ab?

Der Hirntod wird festgestellt

Ehe jemand als Spender infrage kommt, müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Dieser tritt ein, sobald im Großhirn, im Kleinhirn und im Hirnstamm keinerlei Aktivität mehr gemessen werden kann. Damit die Organe nicht geschädigt werden, muss der Spender künstlich beatmet werden.

Untersuchung des Spenders

Wenn geklärt ist, dass Organe entnommen werden dürfen, wird der hirntote Spender auf Tumorerkrankungen und Infektionen untersucht. Das soll sicherstellen, dass der Empfänger eines Organs nicht gefährdet wird.

Der Spender wird gemeldet

Die Daten des Spenders werden an die europäische Vermittlungsstelle „Eurotransplant" geschickt. Hier wird auf den Wartelisten nach passenden Empfängern gesucht.

Die Organe werden entnommen

Anschließend werden dem Verstorbenen die Organe entnommen, die er bereit war zu spenden. Der Leichnam wird dann für eine Aufbahrung vorbereitet und kann bestattet werden.

Die Organe werden transportiert

Die Organe werden gekühlt und verpackt und an ihren Bestimmungsort gebracht. Sie werden mit dem Krankenwagen transportiert oder in dringenden Fällen auch per Flugzeug ausgeflogen.

Die US-Forschungsbehörde NIH legte die Bezuschussung derartiger Chimären-Versuche deshalb wegen ethischer Bedenken im vergangenen Herbst zunächst auf Eis. Bei den jüngsten Versuchen wählten die Forscher einen veränderten, zielgenaueren Ansatz und beendeten die Trächtigkeit nach 28 Tagen.

Das bis dahin in den Ferkelembryonen entstandene Gewebe wurde untersucht. Tatsächlich habe sich eine Art Bauchspeicheldrüsengewebe entwickelt, berichteten die Forscher nun. Auch andere US-Teams erzeugten bereits Schweine-Mensch-Chimären, die vor der Geburt getötet wurden.

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