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17.05.2017

17:03 Uhr

Lebenserwartung

Langes Leben? Nicht überall in den USA

VonKatharina Schramm

Die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA zeichnet ein falsches Bild – zeigt eine Studie aus Seattle. Denn in einigen US-Bezirken lebt man deutlich länger als anderswo. Das hat unterschiedliche Gründe.

Noch offen ist, wie sich die Lebenserwartung nach dem immer wahrscheinlicheren Ende von Obamacare weiter entwickeln wird. AFP

Demonstranten

Noch offen ist, wie sich die Lebenserwartung nach dem immer wahrscheinlicheren Ende von Obamacare weiter entwickeln wird.

DüsseldorfDas Image der USA als Land des Fortschritts hat bei der Lebenserwartung einen Kratzer abbekommen: Eine gerade veröffentlichte Studie des Institutes for Health Metrics and Evaluation (IHME) zeigt, dass das erwartete Lebensalter zwischen den US-Bezirken bis zu 20,1 Jahre voneinander abweicht. Erforscht wurden 3.110 Bezirke von 1980 bis 2014 – die durchschnittliche Lebenserwartung aller Bezirke lag bei etwas mehr als 79 Jahren.
An zwei Bezirken wird der Unterschied besonders deutlich: Laut dem Ärzteblatt, das sich auf die Studie beruft, betrug die Lebenserwartung im Skigebiet von Summit County in Colorado knapp 87 Jahre. In Oglala Lakota County in South Dakota dagegen, wo hauptsächlich Indianer wohnen, entsprach die erwartete Lebenszeit nur 67 Jahren.

Vor allem Sterbe-Risiken für Erwachsene über 25 Jahren haben nach Angaben der Studie ungleich zugenommen. Sozioökonomische Faktoren, Verhalten und Verfügbarkeit und Qualität der medizinischen Versorgung spielen dabei eine wichtige Rolle: Erstere machten 60 Prozent der Unterschiede aus, das Verhalten sogar fast drei Viertel. Fast 30 Prozent trug das Gesundheitssystem zu den Unterschieden bei.

2015 war die Lebenserwartung in den USA erstmals seit mehr als zwei Dekaden gesunken – trotz Obamacare, das 2010 in Kraft trat. Diese Information wird durch die neue Studie nun mit konkreten Angaben für die einzelnen Bezirke und Staaten unterlegt. Menschen in Colorado, Alaska und in den Staaten entlang der Küsten konnten demnach von einer höheren Lebenserwartung ausgehen, wo diese von 1980 bis 2014 teilweise um 13 Jahre angestiegen war. Ganz anders sah es für US-Bürger in South Dakota, Oklahoma und West Virginia aus. Dort hatte sich die Lebenserwartung in einzelnen Bezirken entweder nicht verbessert oder war gar um mehr als zwei Jahre geschrumpft.

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Da Menschen immer älter werden, sollen sie länger arbeiten und so die Rentenkassen im Lot halten. Laut einer Studie würde diese Idee aber eine „Polarisierung im Alter“ verschärfen. Alt ist eben nicht gleich alt.

Noch offen ist, wie sich die Lebenserwartung nach dem immer wahrscheinlicheren Ende von Obamacare weiter entwickeln wird. Vor allem Amerikaner, die nicht über ihren Arbeitgeber krankenversichert sind, wären ohne Obamacare mit schlechteren Bedingungen für die medizinische Versorgung konfrontiert. Verschiedene Experten schätzen die 2015 gesunkene Lebenserwartung zudem als Momentaufnahme ein, die nicht überbewertet werden sollte.

Somit könnten sich die Zahlen künftig noch deutlich verschieben: Wenn sich die Bedingungen im amerikanischen Gesundheitssystem verschlechtern, könnten wirtschaftliche Faktoren gegenüber den verhaltensbedingten Ursachen noch mehr ins Gewicht fallen. Das gilt vor allem, da die häufigsten Todesursachen in den USA nicht nur durch Lebensstil beeinflusst werden: 2015 zählten neben Herz- und Lungenerkrankungen vor allem Schlaganfälle, Grippe, Diabetes und Unfälle zu den Haupttodesursachen.

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