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24.09.2012

19:27 Uhr

Lebensgefahr

Gefährliches Virus entdeckt

Britische Ärzte haben ein neues, gefährliches Virus entdeckt. Der infizierte Patient schwebt in Lebensgefahr. Der Erreger ähnelt dem heimtückischen Sars-Virus.

Sars-Alarm im vergangenen Jahr in Hong Kong. Reuters

Sars-Alarm im vergangenen Jahr in Hong Kong.

Britische Ärzte haben bei einem Mann einen bislang unbekannten Virus entdeckt, der dem lebensgefährlichen Sars-Erreger ähnelt. Der 49-jährige Patient aus Katar sei schwer erkrankt und werde derzeit in London behandelt, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag mit. Der Mann zeige Symptome einer Atemwegsinfektion und Nierenversagen. "Dieses neue Virus ist komplett anders als das, was wir bisher in Menschen identifiziert haben", erklärte die britische Gesundheitsbehörde HPA. Bislang gebe es aber keinen Beleg für eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch. An dem Sars-Virus waren 2002/03 weltweit 800 Menschen gestorben.

"Der Patient lebt noch, aber er befindet sich nach unseren Informationen in einem kritischen Zustand", sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir fragen überall, ob jemand ähnliche Fälle gesehen hat, aber bisher gab es keine entsprechenden Meldungen." Am Sonntag hatte die WHO über ihr weltweites Warnsystem mitgeteilt, Tests hätten bestätigt, dass der Mann an einem neuartigen Corona-Virus erkrankt sei - eine Virengruppe, zu der auch das Sars-Virus gehört. Die Gesundheitsbehörde HPA teilte mit, sie habe den behandelnden Medizinern empfohlen, den Patienten in Quarantäne zu nehmen. Bei ihren Untersuchungen sollten sie spezielle Anzüge, Handschuhe und Schutzbrillen tragen.

Bei der vor zehn Jahren grassierenden Sars-Pandemie hatten die Erkrankten Symptome ähnlich denen einer Lungenentzündung. Das Virus war damals zuerst in China nachgewiesen worden. Der Ausbruch der Krankheit hatte auch gravierende wirtschaftliche Folgen, weil zum Beispiel viele Menschen damals auf Flugreisen verzichteten.

Nach WHO-Angaben haben Forscher nun starke Ähnlichkeiten zwischen dem Erreger in London und einem früheren Fall in Saudi-Arabien entdeckt. Dort hätten Mediziner dieses Jahr einen 60-jährigen Mann mit schwerer Lungenerkrankung behandelt, der später gestorben sei. Der dort identifizierte Erreger ähnelt dem nun entdeckten Virus zu 99,5 Prozent. Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse geht von dem Erreger aber offenbar keine unmittelbare Gefahr für die Öffentlichkeit aus. Man solle wachsam, aber nicht unmittelbar besorgt sein, sagte der Direktor des Londoner Zentrums für Atemwegsinfektionen, Peter Openshaw. Der Virus-Forscher Andrew Easton von der englischen University of Warwick sagte, die potentielle Gefahr des Viruses einzuschätzen sei angesichts von nur zwei Fällen schwierig.

Die mögliche Verbindung des Virus zu Saudi-Arabien könnte angesichts der im nächsten Monat anstehenden Haddsch aber noch zu erheblichen Problemen führen. Zur jährlichen Pilgerfahrt reisen Muslime aus aller Welt nach Mekka und danach wieder zurück in ihre Heimatländer.

Die WHO sammelt nach eigenen Angaben weitere Informationen, um einschätzen zu können, welche Auswirkungen der neue Fall für die öffentliche Gesundheit haben könnte. Der jetzt behandelte Patient sei erstmals am 3. September mit Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion bei einem Arzt gewesen. Am 7. September sei er auf eine Intensivstation einer Klinik in Katar gekommen und am 11. September mit einem Ambulanzflugzeug nach Großbritannien gebracht worden. Dort sei das neuartige Virus diagnostiziert worden. Der Mann sei vor der Erkrankung auch in Saudi-Arabien unterwegs gewesen. Es blieb aber zunächst unklar, ob der Patient Kontakt mit dem in Saudi-Arabien erkrankten, später verstorbenen Mann hatte.

Von

rtr

/ London

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