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09.07.2015

10:13 Uhr

Liberia

Die Angst vor Ebola geht wieder um

Im Mai erklären die Vereinten Nationen den Sieg über Ebola in Liberia. Sieben Wochen später stirbt ein Junge an der Seuche. Nun geht die Angst wieder um vor der Krankheit, die in Westafrika längst noch nicht besiegt ist.

Ein Helfer desinfiziert einen Krankenwagen, in dem mutmaßlich an Ebola erkrankte Patienten in Liberias Hauptstadt Monrovia transportiert wurden. ap

Kampf gegen die Seuche

Ein Helfer desinfiziert einen Krankenwagen, in dem mutmaßlich an Ebola erkrankte Patienten in Liberias Hauptstadt Monrovia transportiert wurden.

BerlinGroße Erleichterung ging durch Liberia, als die Weltgesundheitsorganisation am 9. Mai die Ebola-Epidemie in dem Land für beendet erklärte. 42 Tage lang hatte es keinen neuen Fall in dem westafrikanischen Land gegeben – das ist die doppelte maximale Inkubationszeit.

Damit, so hoffte die Bevölkerung, sei die verheerende Epidemie nach fast eineinhalb dramatischen Jahren überwunden. Doch so leicht lässt sich das Virus nicht besiegen.

In der vergangenen Woche wurde im Distrikt Margibi unweit der Hauptstadt Monrovia ein neuer Fall bekannt: Tests bei einem toten Jugendlichen ergaben, dass er infiziert war.

Mittlerweile sind zwei Menschen, die Kontakt mit dem 17-Jährigen hatten, ebenfalls erkrankt. Fast 200 weitere werden nach WHO-Angaben ständig überwacht. Die Hilfsorganisation Oxfam spricht von einem „Rückschlag“ im Kampf gegen die Seuche.

Das Wiederaufflammen des Virus' müsse ein Weckruf sein, um bisher unbeantwortete Fragen anzugehen und zu verstehen, warum es nun neue Fälle gebe, sagt der Oxfam-Landesdirektor Mamudu Salifu. „Ist Ebola vielleicht endemisch in Liberia? Und ist das Land jetzt besser dafür gerüstet, diesen neuen Ausbruch zu managen?“

Sicher ist, dass erneut die Angst umgeht. „Es ist schlimm, dass wir uns wieder in dieser Situation befinden – nicht nur, weil viele Menschen sterben könnten, sondern auch, was die Wirtschaft, die Entwicklung und das Image des Landes betrifft“, erklärt der politische Analyst Sando Wayne. Tatsächlich hatte das Virus in Liberia sowie auch in Guinea und Sierra Leone verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaftslage.

Die einst blühenden Wachstumsraten sind zusammengeschrumpft, viele Bürger haben ihre Arbeit verloren und Kinder haben wegen der monatelangen Schließung aller Schulen den Unterricht verpasst – ganz zu schweigen von den hohen Summen, die die Regierungen in den Kampf gegen die Krankheit stecken mussten. Nun befürchten viele Liberianer, dass sich diese Negativ-Spirale wieder in Bewegung setzt.

Gleichzeitig sagen Experten, dass die Seuche nie ganz besiegt gewesen sei: „Wir haben immer gewusst, dass wir nicht über den Berg sind, bis alle drei betroffenen Länder offiziell Ebola-frei sind“, betonte die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf.

Tatsächlich listet die Weltgesundheitsorganisation WHO für Westafrika noch immer 20-30 Neuerkrankungen pro Woche auf, die meisten in Guinea und Sierra Leone. Das ist deutlich weniger als zu Hochzeiten der Epidemie, als wöchentlich mehrere hundert neue Krankheitsfälle registriert worden. Trotzdem wird die Epidemie von der WHO nach wie vor als internationaler Gesundheitsnotfall eingestuft.

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