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01.02.2011

11:34 Uhr

Luftfahrttechnik

Neuer Antrieb macht Flugzeuge zu „Rollfeld-Flüsterern“

VonThomas Trösch

Leise und abgasfrei über die Piste: Eine vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelte neue Antriebstechnik für Flugzeuge auf dem Rollfeld soll den Lärm an Flughäfen verringern und Treibstoff sparen.

Der A320 mit der neuen Bugradtechnik steht bereit für erste Rollversuche. Pressebild

Der A320 mit der neuen Bugradtechnik steht bereit für erste Rollversuche.

DÜSSELDORF. Drei Jahre haben die Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) getüftelt, jetzt ist ihr neues Antriebssystem fertig für den Test im Flugzeug. Kern der neuen Technik ist ein Brennstoffzellensystem im Bugrad der Maschine. Es ermöglicht dem Flugzeug, unabhängig von Schleppfahrzeugen und ohne den Einsatz der Haupttriebwerke die Parkposition zu erreichen oder bis zur Startposition zu rollen.

„Damit lassen sich bis zu 27 Prozent der produzierten Emissionen am Flughafen und bis zu 100 Prozent des Lärmes während des Rollvorganges einsparen“, so Josef Kallo vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik. Der Antrieb besteht aus zwei elektrischen Motorantrieben, die in den beiden Felgen des Bugrades eingebaut sind. Die elektrische Energie liefert ein Brennstoffzellensystem, welches das Bugrad eines bis zu 70 Tonnen schweren Flugzeugs antreiben kann.

Als direkter elektrochemischer Energiewandler, der aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie produziert, arbeitet die Brennstoffzelle deutlich effizienter als ein Verbrennungsmotor mit gekoppeltem Generator. So lassen sich etwa beim Kurzstreckenbetrieb mit bis zu sieben täglichen Starts und Landungen 200 bis 400 Liter Kerosin am Tag einsparen.

Dass Maschinen mit dem neuen Antrieb auf den Einsatz der Triebwerke am Boden verzichten könnten, würde sich positiv auf die Wartungsintervalle auswirken. Die DLR-Experten rechnen mit Einsparungen von bis zu 1200 Stunden pro Jahr bei der Betriebszeit eines Triebwerks. Für den Flughafen brächte der Bugradantrieb zudem eine massive Lärmentlastung: Der elektrische Antrieb zieht das Flugzeug nahezu geräuschlos über das Rollfeld, zu hören wären allenfalls die Ventilatorengeräusche des Brennstoffzellensystems.

Seine Leistungsfähigkeit hat das System, das vom DLR gemeinsam mit den Partnern Airbus und Lufthansa entwickelt wurde, bereits im Labor und auf dem Rollenprüfstand unter Beweis gestellt. Jetzt stehen die ersten Rollfeldversuche an, für die ein Airbus A320 mit dem neuen Antrieb ausgestattet wurde. Spätestens im April 2011 soll dieser „Rollfeld-Flüsterer“ erstmals zum Testeinsatz kommen.

Kommentare (10)

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Dr.-Ing. Rolf Winter

01.02.2011, 14:28 Uhr

bei diesem bericht wird mir Angst und bange. Hat sich schon jemand überlegt welche ungeheuren belastungen auf die sodann "kalten" Triebwerke beim Start zukommen? Diese sind bereits heute noch nicht richtig warmgelaufen und müssen während der Startphase 120% der Leistung bringen. ich möchte nicht in so einer Maschine sitzen die mit dieser Technik ein Promille oder noch weniger Treibstoff einspart.

Jörg Eberhard

01.02.2011, 14:55 Uhr

Mich erinnert das an die "Erfindung" der aerodynamisch ausgeführten "Radkappen" des Flugzeug-Fahrwerks, das im Landeanflug bewirkte, dass die Räder in Rotation versetzt wurden. Damit konnte der Reibverschleiß der Fahrwerksbereifung beim Aufsetzen drastisch reduziert werden, was die Lebensdauer und Dauerhaltbarkeit der Reifen deutlich erhöhte. Alles war nachgewiesen und mit Tests belegt. Trotzdem hat es diese technologisch sinnvolle "Entwicklung" nicht mal in irgendeine Nischenanwendung geschafft. Die Reifehersteller hatten ihr Lobbyisten rechtzeitig in Stellung gebracht... Ob das diesmal der petrochemischen industrie und den Triebwerksherstellern auch gelingen wird?

Mariana mayer

01.02.2011, 16:35 Uhr

Die DLR sitzt an einem Tisch in stuttgart im Hause der Wirtschaft wo basierend auf einer meiner Projektideen 1 Millarde Euro Forschungsgeld zur Verfügung gestellt wurden. Es gibt eine Liste über die Teilnehmer. Diese Organistationen beantragen dort Geld für Galileo, es wurden 1 Millarde Euro basierend auf "meiner Projektidee" veröffentlicht im iT Gipfelblog zur Verfügung gestellt.

Stichworte hier DLR , Airbus EADS. Wer zensiert? Der Autor Hb oder eines dieser Unternehmen?

Frage wer zensiert? So schnell wie es ging wahrscheinlich der Autor dieses Artikels oder seine vorgesetzte instanz.

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