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04.08.2015

10:33 Uhr

Luftschiffe

Zeppeline feiern ein Comeback

VonWerner Pluta
Quelle:Golem.de

Die Ära der Zeppeline liegt fast 80 Jahre zurück. Ihre Zeit schien vorbei, doch jetzt werden sie wieder gebaut. Und zwar keine Retrofluggeräte, sondern moderne Maschinen, sogar für die Raumfahrt geeignet.

Am 6. Mai 1937 kam es in Lakehurst zur Katastrophe. Bei der Landung brach im Heck des Luftschiffs Feuer aus. In Sekundenschnelle stand das Wasserstoffgas im ganzen Schiff in Flammen. 35 der 97 Menschen an Bord und ein Mitglied der Bodenmannschaft starben bei dem Unfall, dessen Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. ( Foto: Nationaal Archief/Spaarnestad Photo) Golem.de

1936 fuhr erstmals die Hindenburg. Das bis dato größte Luftschiff wurde im Liniendienst nach Brasilien und in die USA eingesetzt.

Am 6. Mai 1937 kam es in Lakehurst zur Katastrophe. Bei der Landung brach im Heck des Luftschiffs Feuer aus. In Sekundenschnelle stand das Wasserstoffgas im ganzen Schiff in Flammen. 35 der 97 Menschen an Bord und ein Mitglied der Bodenmannschaft starben bei dem Unfall, dessen Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. (Foto: Nationaal Archief/Spaarnestad Photo)

Vor knapp 80 Jahren explodierte das Luftschiff LZ 129 Hindenburg bei der Landung in Lakehurst im US-Bundesstaat New Jersey. Obwohl das Luftschiff zu der Zeit Hochtechnologie war, war seine Zeit damit zu Ende. Doch sie kommen wieder, die fliegenden Giganten.

In Friedrichshafen werden wieder Luftschiffe gebaut, die auch als Technologieträger eingesetzt werden. In Großbritannien plant ein Unternehmen fliegende Schwerlasttransporte. Und einige Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) wollen gar einen anderen Planeten mit einem Luftschiff erkunden.

Mit dem Luftschiff über die Venus

High Altitude Venus Operational Concept nennen die Nasa-Forscher das Konzept, kurz: Havoc, Chaos. Als solches könnte sich das Unterfangen durchaus erweisen. Schon allein die Bedingungen auf der Venus sind chaotisch: Auf der Oberfläche des Planeten herrscht ein Druck von 92 Bar - so viel wie bei uns in einer Wassertiefe von 900 Metern. Außerdem ist es etwa 500 Grad heiß. In 50 Kilometern Höhe beträgt der Druck nur noch ein Bar, aber es ist immer noch 75 Grad heiß.

Aber gerade, weil die Atmosphäre der Venus viel dichter ist als unsere, eignet sie sich gut für Luftschiffe. Das Luftschiff soll mit Helium gefüllt sein, betrieben wird es mit Sonnenenergie. Es soll etwa 50 Kilometer über der Planetenoberfläche fliegen und Daten sammeln. Zu Anfang soll es autonom fliegen, später sollen Menschen folgen. Bis zu einem Monat lang sollen sie damit durch Venus-Atmosphäre kreuzen.

Die Logistik für Havoc wäre jedoch aufwendig. Es wären zwei Raumschiffe nötig. Eines transportiert das Luftschiff, die Mannschaft folgt mit einem zweiten. Dieses wird unbemannt in den Orbit geschossen. Dann fliegt die Mannschaft in einer Orion-Raumfähre zum Venus-Raumschiff, dockt an, die Astronauten steigen um und fliegen zur Venus.

Rendezvous im Venus-Orbit

In der Venus-Umlaufbahn treffen sich der Raumtransporter mit dem Luftschiff und die Fähre mit der Mannschaft. Die Astronauten steigen in das Raumschiff mit dem Luftschiff und beginnen den Abstieg. In der richtigen Höhe wird die Verkleidung des Raumschiffs abgeworfen. Das Luftschiff entfaltet sich, wird aufgepumpt und der Flug in der Venus-Atmosphäre beginnt.

So könnte eine Venus-Mission der Nasa aussehen. (Bild: Langley Research Center) NASA

Luftschiff und schwebende Stadt in den Wolken:

So könnte eine Venus-Mission der Nasa aussehen. (Bild: Langley Research Center)

Nach dem Ende der Mission wird die Gondel, in der die Mannschaft gewohnt hat, vom Luftschiff getrennt und fliegt zurück zur Mannschaftsfähre im Orbit. Mit ihr fliegen die Astronauten zur Erde zurück. Dort steht ihnen ein letztes Rendezvous bevor: Sie steigen wieder eine Orion-Kapsel, die sie zur Erde bringt.

Sehr viel Aufwand, sehr viele Fehlerquellen, nur um mit einem Luftschiff über der Venus zu kreuzen. Andererseits ist eine Fahrt mit dem Luftschiff etwas Besonderes - auch auf der Erde.

Kommentare (3)

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Herr Roland Magiera

04.08.2015, 13:04 Uhr

Das Konzept vom Cargolifter war nicht ausreichend durchdacht. Es gibt ein ebenso simples wie unabänderliches KO-Kriterium, das Wetter.
So ein Luftschiff ist extrem wetterabhängig, ein reines Schönwetterfluggerät.
Damit haben sich der Cargolifter und ähnliche Konzepte für immer und ewig erledigt. Da diese Flüggeräte nur bei annähernder Windstille oder eher schwachen konstanten Winden ihre Last sicher absetzen können, kann so ein Konzept nie und nimmer wirtschaftlich betrieben werden. Wenn ein Luftschiff gegen den Wind fahren muss, dann dauert die Fahrt zudem eine halbe Ewigkeit.

Der Cargholifter ist in meinen Augen kaum mehr als ein gigantischer Betrug gewesen, um Staat und Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen, denn so dumm kann kein Ingenieur sein, die stark ausgeprägte Wetterempfindlichkeit eines Luftschiffes einfach zu ignorieren. Es bringt auch wenig, das Luftschiff vor dem Abladen im Boden zu verankern wenn starke Winde wehen, das ist für die Bodenmannschaft zudem ziemlich gefährlich. Genau aus dem Grund waren ja auch fast nur sehr junge und damit unerfahrene Ingenieure am Projekt beteiligt.

Herr Christoph Fritsche

04.08.2015, 14:11 Uhr

Es ist ein Mythos, dass die Hindenburg in einem riesigen Inferno explodiert ist, denn eine Druckwelle lassen die die zahlreichen Filmaufzeichnungen und Fotos aus nächster Nähe nicht erkennen. Sie brannte eher aus und sank gemächlich zu Boden, verursacht übrigens durch eine leicht entflammbare metallische Lackierung die eine Zusammensetzung hatte wie sei heute in Feststoffraketen verwendet wird, die dann ihrerseits den mitgeführten Wasserstoff und Diesel in Brand gesteckt hat. Auch gegen eine Explosion spricht, dass von den 97 Passagieren 62 überlebt haben. Quelle: DWV

Frau Petra Hügel

04.08.2015, 16:47 Uhr

Es ist schon wirklich interessant, wie bei diesem Thema einem Pawlowschen Reflex gleich, immer wieder die gleichen Phrasen gedroschen werden.
Das gilt für das Thema Hindenburg, die tatsächlich nicht explodiert ist, sondern verbrannt. Wer das für spitzfindig hält sollte sich den unterschied klar machen. Das ist nämlich der selbe Unterschied wie der zwischen der Concorde und der Hindenburg. Die Concorde ist explodiert, mit dem Ergebnis 100 % Tote. Die Hindenburg ist verbrannt mit 2/3 !! Überlebenden.
Und dann das Thema Wettertauglichkeit!
Völlig außer Acht lassend, dass die großen Luftschiffe des letzten Jahrhunderts in allen Wettern geflogen sind. Über den Nordpol, Sibirien, durch tropische Gewitter etc. etc.
Und dann, die Haltung dahinter. Man erklärt sich selbst für schlauer und allwissender, als hunderte von Ingenieuren und anderen Fachleuten, die an verschiedensten Projekten intensiv gearbeitet haben. Man unterstellt, das diese Leute sich die erste aller Fragen im Zusammenhang mit Luftschiffen, die mit tödlicher Sicherheit immer kommt, nicht selbst gestellt haben, und vielleicht intensiv drüber nachgedacht haben ...

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