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19.08.2015

09:52 Uhr

Marsflug-Simulation Hi-Seas

Der Mars liegt ein Jahr lang auf Hawaii

Ein Jahr leben wie auf dem Mars – für sechs Wissenschaftler wird das in wenigen Tagen Realität. Auf Hawaii startet dann eine der längsten Marsflug-Simulationen. Mit dabei ist auch eine deutsche Physikerin.

In diesem Kugelbau am Fuß des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii werden die Forscher ein Jahr lang leben und arbeiten. ap

Marsflug-Simulation Hi-Seas

In diesem Kugelbau am Fuß des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii werden die Forscher ein Jahr lang leben und arbeiten.

Honolulu/BitterfeldDer Countdown läuft und so hat Christiane Heinicke in diesen Tagen vor allem eines: wenig Zeit. „Der Wecker klingelt immer viel zu früh und es gibt noch so viel zu erledigen“, erzählt die 29 Jahre alte Physikerin.

Der Mietvertrag ist gekündigt und auf dem Dachboden ihrer Eltern in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt verstaut sie ihre Habseligkeiten. Denn in wenigen Tagen wird sie als erste Deutsche eine Marsstation auf Hawaii beziehen. Ein ganzes Jahr lang ist sie dann weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Am 28. August sollen sich dort die Türen hinter ihr schließen.

Die weiße Kugel thront abgelegen auf kargem Gestein am Fuße des Vulkans Mauna Loa. In der Nachbildung einer Raumstation werden drei Männer und drei Frauen in einer Art Wohngemeinschaft leben und zugleich wissenschaftliche Untersuchungen anstellen.

Das Projekt „Hawaii Space Exploration Analog and Simulation“ (Hi-Seas) wird von der Weltraumagentur Nasa und der Universität Hawaii betrieben. Hauptziel ist es herauszufinden, wie sich die Gruppendynamik in einer solchen Isolation entwickelt – und wie sie sich steuern lässt. Dazu wird die Crew permanent von Kameras überwacht. Eine Art Big Brother für die Wissenschaft.

Sorgen macht sich Heinicke deswegen nicht. „Die Daten werden verschlüsselt und sind nur ausgewählten Wissenschaftlern zugänglich“, erzählt sie. „Aber wir sind schon wie Labormäuse.“ Denn für die Untersuchungen werden die Insassen mit Armbändern ausgestattet, die Schritte zählen, den Puls messen und den Schlaf überwachen.

Ihre Familie freilich sei anfangs wenig begeistert von dem Plan gewesen, erklärt die Physikerin. „Du bist verrückt“, hätten ihre Eltern gesagt. „Sie waren dann aber doch stolz, als ich mich für die Mission qualifiziert habe.“

Heinicke, derzeit Single, ist in Bitterfeld zur Schule gegangen und hat dann zunächst im südthüringischen Ilmenau, später in Schweden studiert. Für ihre Promotion kehrte sie nach Südthüringen zurück. Zuletzt forschte sie an der Aalto Universität in Finnland über Meereis.

2013 gewann Heinicke den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft. Mit dem Leben in einer Marsstation liebäugelt sie schon länger, hatte sich auch für ein ähnliches Projekt der Mars-Society in der Arktis beworben.

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