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05.09.2017

11:38 Uhr

Maschinen im Alltag

Roboter-Patrouille im Einkaufszentrum

Ein Roboter im Sicherheitsdienst, eine automatisierte Servicekraft in der Kneipe: In San Francisco übernehmen Maschinen immer mehr Alltags-Aufgaben. Das lässt Menschen um ihre Jobs fürchten.

Bei den Passanten im Einkaufszentrum kommt der Sicherheitsroboter gut an. AP

Roboter K5

Bei den Passanten im Einkaufszentrum kommt der Sicherheitsroboter gut an.

San FranciscoEric Leon vom Sicherheitsdienst beobachtet K5 mit gemischten Gefühlen. Vor seinen Augen patrouilliert der bullige Roboter der Firma Knightscope durch das „Westfield Valley Fair“-Einkaufszentrum in San Francisco und sorgt so nach Vorstellung seiner Schöpfer für ein Stück Sicherheit.

Eines Tages, fürchtet Leon, wird K5 seinen Job übernehmen – und er selbst überflüssig. „Er beschwert sich nicht“, sagt der Sicherheitsmann. „Er ist ruhig. Keine Mittagspausen. Er fängt pünktlich um zehn an.“

Bei den Passanten kommt Knightscope-Roboter K5 mit seinen blau und weiß blinkenden Lichtern gut an. Seine Videoaufnahmen werden akzeptiert. Und schon alleine die Tatsache, dass die künstliche Sicherheitskraft ihre Runden dreht, sei Abschreckung für Verbrecher, erklärt der Hersteller.

In San Francisco trifft K5 auf eine Reihe von Kollegen: So gibt es in der kalifornischen Metropole automatisch gebackene Pizza oder eine Kneipe, in der Bier per fliegendem Roboter serviert wird. Erst kürzlich veröffentlichte die Zeitung „San Francisco Chronicle“ als Touristenservice eine Liste von rund einem Dutzend Orte, wo die Besucher Roboter in Aktion erleben können.

Roboter-Steuer für den Wegfall von Arbeitsplätzen

Zugleich zählt San Francisco zu den Orten im Land, wo Arbeiterrechte seit langem großgeschrieben werden. Hier setzte sich früh Bezahlung im Krankheitsfall oder in Elternzeit durch. 2014 stimmten die Wähler für einen 15-Dollar-Mindestlohn, den Gouverneur Jerry Brown 2016 mit seiner Unterschrift zum Gesetz für den gesamten US-Staat Kalifornien machte.

Angesichts von K5 und seinen maschinellen Kollegen werden nun neue arbeitsrechtliche Bedenken laut – und Vorschläge, wie die Entwicklung für die Arbeitnehmer genutzt werden kann. Jane Kim, führende Mitarbeiterin der Stadt, hat dabei eine staatsweite Roboter-Steuer ins Spiel gebracht. Damit sollen Verluste abgefedert werden.

Man müsse darüber nachdenken, wie Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können, wenn Maschinen sie verdrängen, betont Kim. „Ich denke, Automatisierung ist einer der Hauptpunkte im Zusammenhang mit Lohnungleichheit“, sagt sie. „Sie ist nicht an sich schlecht, aber sie wird zu einer Konzentration von Reichtum führen – und zu weiterem Ungleichgewicht, wenn wir uns jetzt nicht darauf vorbereiten.“

„Lächerlich“ nennt das der Chef von Roboter-Hersteller Knightscope, William Santana Li. Die privaten Sicherheitsdienste litten derzeit unter hoher Fluktuation und schlechter Bezahlung. Wenn Roboter Aufgaben übernähmen, könnten ihre menschlichen Kollegen dann neue, verantwortungsvollere Jobs machen. Sie könnten beispielsweise eine ganze Kolonne von K5-Robotern managen und damit mehr Geld verdienen als bisher. Die Annahme, die Maschinen seien geschaffen, um Jobs streitig zu machen, sei falsch.

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