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03.04.2015

09:02 Uhr

Masern in Berlin

Fast 1000 Menschen sind erkrankt

Sie sind hochansteckend und können ohne Impfschutz lebensbedrohlich sein - seit Oktober grassieren die Masern in Berlin. Noch immer sind die Zahlen auf hohem Niveau. Nun greift das Virus auch in Erfurt um sich.

Den Berliner Masern-Ausbruch werten Experten als einen der größten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren. Verantwortlich dafür sind unter anderem Impflücken bei jungen Erwachsenen. dpa

Kinderärzte beraten über Impfpflicht

Den Berliner Masern-Ausbruch werten Experten als einen der größten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren. Verantwortlich dafür sind unter anderem Impflücken bei jungen Erwachsenen.

Berlin/ErfurtAuch rund ein halbes Jahr nach Beginn des Masernausbruchs in Berlin ist noch kein Ende der Erkrankungswelle absehbar. Annähernd 1000 Fälle wurden dort seit Oktober gemeldet. Nach oben schnellten die Fallzahlen zuletzt auch in Thüringen: Betroffen ist insbesondere Erfurt. Dort gehen mehr als 50 von 80 gemeldeten Erkrankungsfällen in diesem Jahr gehen auf einen Ausbruch an einer nichtstaatlichen Schule zurück.

75 Fälle wurden bis Ende März in Bayern registriert: Trotz immer neuer Infektionen ist die Lage nach Behörden-Einschätzung dort derzeit aber noch undramatisch. Auch aus Sachsen wurden vergangene Woche knapp 40 Fälle gemeldet.

In Berlin wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bis Donnerstag 970 Fälle der hochansteckenden Infektionskrankheit gemeldet, davon 849 allein in diesem Jahr. Damit wurden innerhalb einer Woche mehr als 45 Fälle registriert.

Der bisherige wöchentliche Höchstwert hatte nach Zahlen des Robert Koch-Instituts zu Jahresbeginn zwar bei 91 gelegen. Doch der Verlauf zeigt, dass es für eine Entwarnung noch zu früh ist: Kurz nach dieser Spitze waren die Fallzahlen vorübergehend auf etwa 40 zurückgegangen, bevor sie wieder auf über 80 Fälle pro Woche anstiegen.

Masern: Gefährlich und vermeidbar

Übertragung

Die Viren werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen übertragen, zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen. Fast jeder Kontakt führt zu einer Ansteckung, wenn ein Mensch nicht gegen Masern geimpft ist – sogar auf mehrere Meter Entfernung.

Symptome

Schon fünf Tage vor dem typischen roten Hautausschlag sind Infizierte ansteckend. Nach grippeähnlichen Anzeichen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen folgt Tage später der Ausschlag und das Fieber steigt erneut. Nach vier Tagen verschwindet der Ausschlag.

Komplikationen

Masern schwächen das Immunsystem. Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündungen können die Folge sein, selten auch eine Gehirnentzündung. Daran sterben bis zu 20 Prozent der Betroffenen. Bei fast einem Drittel bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderung oder Lähmungen zurück.

Therapie

Eine Therapie gegen Masern gibt es nicht. Möglich ist nur eine Behandlung der Krankheitsanzeichen wie Fieber. Antibiotika sind gegen Viren-Erkrankungen wirkungslos.

Impfung

Der Impfstoff wird aus abgeschwächten Masernviren hergestellt. Säuglinge sollten mit 11 bis 14 Monaten erstmals geimpft werden. Das kann auch früher sein, wenn das Kind in eine Kita gehen soll. Die Zweitimpfung kann vier Wochen nach der ersten erfolgen und sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten verabreicht werden. Erwachsene mit unklarem Impfstatus sollten sich impfen lassen.

Fälle

Die Zahl der registrierten Fälle schwankte in den vergangenen Jahren stark. So waren es im Jahr 2001 mehr als 6000 Erkrankungen in Deutschland, 2012 nur 165 und 2013 wieder 1769.

Knapp ein Viertel der Berliner Patienten musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Am Virchow-Klinikum der Uniklinik Charité etwa weisen in diesen Tagen besonders viele Schilder Patienten mit Verdacht auf Masern an, sich bei einem separaten Eingang zur Notaufnahme zu melden.

Experten werten den Ausbruch in Berlin seit Oktober 2014 als einen der größten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren. Die Hauptgründe für dessen Stärke und Dauer sehen sie neben Unwissenheit in der Bevölkerung in großen Impflücken bei jüngeren Erwachsenen.

Eltern können sich nach Angaben des Berliner Gesundheitssenators Mario Czaja (CDU) neuerdings auch beim Kinderarzt gegen Masern impfen lassen und Frauenärzte auch begleitende Männer impfen. Bislang wurden die Mediziner dafür nicht honoriert. Auf diese Weise sollen nun unkompliziert Impflücken in der Bevölkerung geschlossen werden. Im Februar starb ein Kleinkind in Berlin an den Folgen der Infektion.

Masern schwächen das Immunsystem und können bei Komplikationen zu schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnentzündungen führen. Schutz bietet die Impfung: Mindestens einmal sollten sich nach 1970 Geborene den aktuellen Impfempfehlungen nach dafür piksen lassen. Es dauert 10 bis 14 Tage, bis sie wirkt. Wer die Krankheit als Kind durchgemacht hat, ist gegen das Virus immun.

Von

dpa

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