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01.08.2016

13:33 Uhr

Massenauflauf der Riffhaie

Stelldichein der Fressmaschinen

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Ein kleines Atoll erlebt alljährlich einen wahren Ansturm von Riffhaien. Bis zu 700 Raubfische bevölkern dann einen engen Meereskanal – viel mehr, als das Gebiet eigentlich ernähren kann. Doch hungern muss hier niemand.

Alljährlich versammeln sich hunderte der Raubfische in einem engen Meereskanal und warten auf Beute. (Foto: Guillaume Funfrock/Macquarie University)

Graue Riffhaie

Alljährlich versammeln sich hunderte der Raubfische in einem engen Meereskanal und warten auf Beute. (Foto: Guillaume Funfrock/Macquarie University)

HeidelbergSeit 2006 werden Haie rund um die Atolle Französisch-Polynesiens verstärkt geschützt; die Südseeinseln weisen daher einige der gesündesten Haipopulationen weltweit auf. Die strengen Gesetze sind jedoch nicht der Grund für eine einzigartige Ansammlung an Grauen Riffhaien (Carcharhinus amblyrhynchos) rund um die Fakarava-Inselgruppe.

Bis zu 700 Exemplare versammeln sich hier jeden Winter in einem nur 100 Meter breiten und 30 Meter tiefen Meereskanal zwischen den Eilanden – die weltgrößte Ansammlung dieser Raubfische, die Forscher bislang kennen. Zum Sommer sinkt ihre Zahl dann zwar auf 250 Tiere ab, doch übersteigt ihre Menge immer noch die eigentliche Kapazität des lokalen Ökosystems. Dazu kommen Individuen von vier weiteren Haiarten, so dass insgesamt bis zu 900 der Raubfische gleichzeitig vor Ort sein können.

Die Haie stellen damit die örtliche Nahrungspyramide auf den Kopf, so Johann Mourier von der Macquarie University in Sydney und seinem Team. Die normalerweise hier vorhandenen Beutefische reichen für solch eine große Zahl von Raubfischen nämlich gar nicht aus.

Dennoch wandern die Haie über Wochen und Monate nicht zur Jagd aus dem Kanal ab, wie die Biologen mit Hilfe von kleinen Sendern herausgefunden haben. Die 13 damit ausgestatteten Haie waren meist wenig mobil – stattdessen warteten sie darauf, dass die Beute zu ihnen schwamm. Und das geschieht tatsächlich alljährlich im Winter der Südhalbkugel, wenn tausende Zackenbarsche in den Kanal schwimmen, um dort zu laichen.

Arten wie Epinephelus polyphekadion suchen dann im Juni und Juli aus einem Umkreis von 50 Kilometern und mehr den Kanal auf, um sich zu paaren und Eier abzulegen. Liegt die normale Fischbiomasse während der überwiegenden Zeit des Jahres bei etwa 17 Tonnen und damit deutlich unter den Futterbedürfnisses der Haie, steigt sie mit Ankunft der Zackenbarsche auf mehr als 30 Tonnen an – deutlich mehr, als die Haie fressen können.

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