Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2005

15:30 Uhr

Medikamente aus der Angiogenese-Forschung versprechen Fortschritte in der Behandlung von Darmkrebs

Wirkstoff bremst Tumor-Wachstum

VonSiegfried Hofmann

Kein Tumor kann sich ausbreiten, wenn er nicht über den Blutkreislauf mit Nährstoffen versorgt wird. Diese scheinbar banale Erkenntnis ist der Ausgangspunkt für einen Ansatz in der Krebstherapie, der in den vergangenen beiden Jahrzehnten immer wieder für Euphorie und Enttäuschung sorgte: die Angiogenese-Forschung. Sie zielt darauf, das Wachstum von Blutgefäßen in Tumoren zu bremsen.

Signalwege unterbrochen. Grafik: Handelsblatt

Signalwege unterbrochen. Grafik: Handelsblatt

HB FRANKFURT. Derzeit überwiegen bei diesem Therapieansatz wieder eher die Hoffnungen: Der erste konkrete Wirkstoff – das von Roche und Genentech entwickelte Krebsmittel Avastin – hat vor wenigen Tagen in Europa die Zulassung erhalten und dürfte künftig bei der Darmkrebs-Behandlung eine zentrale Rolle übernehmen. Avastin blockiert das wichtige Wachstums-Protein „VEGF-A“.

Bereits Ende der 60er Jahre beobachtete der amerikanischen Chirurg Judah Folkman, dass Tumore eigentlich kaum größer als fünf Millimeter werden können, wenn es ihnen nicht gelingt, eine Art private Blutversorgung aufzubauen. Tumorzellen schütten dazu spezielle Moleküle aus, die das umliegende Gewebe dazu anregen, Blutadern auszubilden. Etwa 30 solcher Wachstumsfaktoren sind inzwischen bekannt und damit potenzielle molekulare Angriffspunkte für eine Arzneimitteltherapie.

Einen der wichtigsten davon, das Protein „VEGF-A“, blockiert das Mittel Avastin. Zusätzlich befinden sich eine ganze Reihe ähnlicher Medikamente aus der Angiogenese-Forschung auf dem Weg zur Marktreife. Nach Schätzung von Fachleuten werden inzwischen mehr als 200 solcher Angiogenese-Blocker entwickelt. Davon haben etwa sechs Dutzend die klinische Erprobungsphase erreicht. Am weitesten vorangeschritten ist ein Molekül mit der Bezeichnung „PTK 787“, das gemeinsam von den Pharmaunternehmen Schering und Novartis erforscht wird. Erste Zwischenresultate aus zwei großen Studien mit „PTK“ werden mit Spannung erwartet und voraussichtlich im Mai vorgestellt. Fallen sie positiv aus, wollen die beiden Unternehmen noch in diesem Jahr die Zulassung beantragen, wie Novartis-Entwicklungschef Jörg Reinhardt jüngst ankündigte. Weitere Produkte in fortgeschrittener Entwicklung werden von Pfizer, Bayer und der kanadischen Aeterna-Zentaris bearbeitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×