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17.10.2012

12:28 Uhr

Medikamentenstudien

Versuchstier Mensch

Neue Medikamente müssen auch am Menschen getestet werden. Vor allem Studenten stellen sich gern als „Versuchskaninchen“ für die Pharma-Branche zur Verfügung. Doch sind solche Tests wirklich leicht verdientes Geld?

Warum nur einige Menschen unter dem Nocebo-Effekt leiden, ist noch unklar. dpa

Warum nur einige Menschen unter dem Nocebo-Effekt leiden, ist noch unklar.

TrierSarah Küpper ist Nichtraucherin, ist nicht schwanger und hat keine chronischen Krankheiten. Sie ist zwischen 20 und 30 Jahre alt, nämlich 21, hat einen Body-Mass-Index von 20 und nimmt die Anti-Baby-Pille. Damit ist sie die perfekte Probandin für eine Medikamentenstudie. 150 Euro bekommt die Studentin aus Trier, wenn sie drei Tage lang ein Arzneimittel gegen Angstzustände nimmt. Oder ein Placebo. Sie weiß selbst nicht, was sie täglich herunterschlucken wird.

Das Auftragsforschungsinstitut Daacro führt Studien unter anderem für die Pharma-Industrie durch. Geschäftsführerin Juliane Hellhammer sagt: Probandenstudien sind beliebt bei Studenten. „Einige kommen sogar mehrfach.“ Sie nennt es leicht verdientes Geld.

Studentin Küpper liest einen elfseitigen Bogen durch und unterschreibt. „Leicht verdientes Geld“, findet auch sie. Dreimal im Institut erscheinen, insgesamt sieben Stunden Aufwand und 150 Euro Entschädigung. Macht einen Stundenlohn von mehr als 21 Euro. Nicht schlecht für einen Studentenjob, findet sie.

Wird Blut abgenommen, müssen die Probanden mehrere Tage vor Ort sein. Dann sind es schon mehrere hundert Euro. In der Pharmaentwicklung, der sogenannten Phase eins, gibt es deutlich mehr Geld - „für ein gewisses Risiko“, sagt Hellhammer. „Alles, was Wirkungen hat, hat potenziell auch Nebenwirkungen.“ Für Gedächtnisexperimente oder Stresstests fällt der Lohn entsprechend niedriger aus. Trotzdem findet das Institut immer genügend Teilnehmer.

Wolfgang Becker-Brüser ist Arzt und Herausgeber des Magazins Arznei-Telegramm. „Um Nutzen und Schaden von Arzneimitteln zu ermitteln, müssen auch Menschenversuche gemacht werden“, sagt er. Dabei sei Transparenz besonders wichtig. „Ein Problem kann sein, dass Leute, die auf das Geld angewiesen sind, an mehreren Tests teilnehmen. Andererseits müssen Testinstitute Risiken klar vermitteln. Beide Seiten müssen mit offenen Karten spielen.“

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