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09.11.2013

13:10 Uhr

Medizin

Doktor Draculas Blutsauger

Bestimmte Bakterien machen Mücken resistent gegen die Erreger des gefährlichen Denguefiebers. Eine Forscherin sucht nach Wegen, Moskitos mit diesen Bakterien zu infizieren - und spart dabei auch nicht mit eigenem Blut.

Die Insektenkundlerin Nguyen Thi Yen füttert Moskitos mit ihrem eigenen Blut. Die Insekten gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Erreger des gefährlichen Dengue-Fiebers. ap

Die Insektenkundlerin Nguyen Thi Yen füttert Moskitos mit ihrem eigenen Blut. Die Insekten gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Erreger des gefährlichen Dengue-Fiebers.

Tri Nguyen Island/VietnamIhr Spitzname ist „Doktor Dracula“ und ihre Haustiere sind Mücken: Die Insektenkundlerin Nguyen Thi Yen füttert die Moskitos mit ihrem eigenen Blut. Die schmerzhaften Stiche nimmt sie gerne in Kauf, denn ihre Lieblinge sind die große Hoffnung der Forscher im Kampf gegen die gefährlichen Dengue-Viren.

Die Mücken tragen die sogenannten Wolbachia-Bakterien in sich, die sie gegen den Dengue-Erreger weitgehend bis vollständig resistent machen. Wissenschaftler versuchen nun, Möglichkeiten zu finden, wie möglichst viele der Blutsauger mit diesen Bakterien infiziert werden können.

Mit dem Dengue-Virus stecken sich jährlich etwa 390 Millionen Menschen an, überwiegend in Asien. Der Erreger kann ein hämorrhagisches Fieber, das sogenannte Denguefieber, auslösen. Diese Krankheit endet oft tödlich; es gibt keine Therapie dagegen, nur die Symptome können behandelt werden.

Übertragen wird das Virus von bestimmten Moskitos, vor allem von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti). Gerade diese Mücken tragen von Natur aus keine Wolbachia-Bakterien in sich - obwohl das Bakterium bei sehr vielen Insekten nachgewiesen werden kann.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der australische Wissenschaftler Scott O'Neill mit dem Wolbachia-Bakterium. O'Neill lehrte früher an der Yale-Universität im US-Staat Connecticut, seit mehreren Jahren schon ist er Dekan der Monash-Universität in Melbourne. Einer seiner Studenten fand heraus, wie Wolbachia Mücken übertragen werden kann, die das Bakterium nicht in sich tragen.

Diese Insekten geben es dann künftigen Generationen weiter. Der Vorteil: Mit Wolbachia infizierte Insekten sterben zum einen früher als andere, zum anderen hemmt das Bakterium die Übertragung von Dengue-Erregern. „Bei einem Moskito mit Wolbachia können sich Dengue-Viren nicht entwickeln“, erklärt O'Neill. „Und wenn sich die Viren nicht entwickeln, können sie auch nicht übertragen werden.“

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