Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2014

10:04 Uhr

Medizin

Ebola, das Stiefkind der Pharmaforschung

Grundlagenforschung am Ebola-Erreger ist vergleichsweise preiswert, die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen kostet dagegen viel Geld. Große Pharmakonzerne scheuen die Ausgaben für die notwendigen Studien.

Tödlicher Virus

Ebola: Die unheimliche Seuche erreicht Guinea

Tödlicher Virus: Ebola: Die unheimliche Seuche erreicht Guinea

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

LondonFast 40 Jahre ist es her, seit Forscher in einem Labor in Belgien den Ebola-Erreger identifizierten, der nach einem kongolesischen Fluss benannt ist. Und noch immer gibt es kein wirksames Medikament oder gar einen Impfstoff zur Bekämpfung der gefährlichen Krankheit. Einer der Gründe für den mangelnden Enthusiasmus der Branche: Das Virus taucht selten auf und zu seinen Opfern zählen dann meist Menschen in den ärmsten Regionen Afrikas.

„Grundlagenforschung können wir recht günstig machen“, sagt Jonathan Ball, Professor für Molekular-Virologie an der britischen Universität von Nottingham. Aber für den Schritt danach hin zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen seien klinische Studien notwendig. „Und diese kosten viel Geld – weshalb man an dieser Stelle normalerweise beginnt, Big Pharma einzubeziehen.“ Große Pharmakonzerne investierten jedoch nur dann, wenn sich das für sie auch später rentiere.

Neue Ebola-Fälle: Tödliche Virengefahr

Neue Ebola-Fälle

Tödliche Virengefahr

Mit einer Sterberate von bis zu 90 Prozent gilt das Ebola-Virus als einer der gefährlichsten Krankheitserreger. Bislang existiert noch keine Therapie, doch die Suche nach Schwachstellen des Erregers zeigt erste Erfolge.

Das Ebola-Virus wurde 1976 entdeckt nach einem Ausbruch im damaligen Zaire – heute die Demokratische Republik Kongo. Seitdem sind daran bei Ausbrüchen in Afrika etwa 1500 Menschen gestorben. Als Träger der Viren gelten Fledermäuse, Nagetiere, Gorillas und Antilopen.

Die Krankheit beginnt meist wie eine Erkältung – doch dann folgen rasch Durchfall, Erbrechen und schweres Fieber mit inneren und äußeren Blutungen. Je nach Virus-Stamm enden bis zu 90 Prozent aller Fälle tödlich. Beim aktuellen Ausbruch im westafrikanischen Guinea starben bislang mindestens 80 Menschen.

Ebola wird zwar von der Pharmaindustrie stiefmütterlich behandelt. Geforscht wird dennoch. Es sind vor allem Regierungen – angeführt von den USA – die hier finanziell einspringen. Sie treibt vor allem die Sorge um, tödliche Erreger wie Ebola könnten einmal als biologische Waffen eingesetzt werden.

Im Januar flossen an die Universität von Texas und an drei weitere Organisationen 26 Millionen Dollar staatliche Gelder. So kooperiert das US-Verteidigungsministerium mit der kanadischen Tekmira Pharmaceuticals. Das Medikamenten-Projekt von Tekmira steckt aber erst in den Kinderschuhen. Es dürfte noch Jahre dauern, bis die Substanz mit der Bezeichnung „TKM-Ebola“ marktreif ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×