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16.12.2011

10:12 Uhr

Medizin

Einwandern macht krank

Migranten leiden häufiger an psychischen Erkrankungen als Einheimische. Gerüstet ist das deutsche Gesundheitssystem dafür unzureichend. Fehldiagnosen und falsche Behandlungen sind oft die Folge.

Laut Bundespsychotherapeutenkammer leiden Einwanderer doppelt so häufig wie gebürtige Deutsche an körperlichen Beschwerden, für die es keine organischen Ursachen gibt. Und fast 60 Prozent häufiger erkranken sie an Depression. dpa

Laut Bundespsychotherapeutenkammer leiden Einwanderer doppelt so häufig wie gebürtige Deutsche an körperlichen Beschwerden, für die es keine organischen Ursachen gibt. Und fast 60 Prozent häufiger erkranken sie an Depression.

Berlin„In meinem Kopf sitzt ein Mann, der lacht mich immer furchtbar aus für meine Gedanken“, sagte die über 60-jährige Frau in gebrochenem Deutsch zu ihrem Arzt. Er diagnostiziert eine schizophrene Wahnvorstellung. Als die Patientin an die Münchner Psychologin und gebürtige Griechin Maria Gavranidou gerät, die sich mit ihr in der Muttersprache unterhält, fällt die Diagnose ganz anders aus: Der lachende Mann im Kopf sei nur eine wortwörtlich genommene Redewendung. Die Frau leide an einer Depression.

Das ist kein Einzelfall für in Deutschland lebende Migranten „Migranten sind ja nicht anders krank als Deutsche. Aber sie bekommen in bestimmten Bereichen nicht die angemessene Behandlung“, sagt Gavranidou, die im Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München arbeitet. „Unserem Gesundheitssystem fehlen kultursensible und der Diversität der Patienten angemessene Versorgungsangebote, Interkulturalität spielt kaum eine Rolle und es gibt wenig Muttersprachler oder Dolmetscher in den Kliniken.“

Die Missverständnisse beginnen oft bereits mit der Diagnose. Schizophrenie wird etwa bei Einwanderern weitaus häufiger festgestellt als bei Einheimischen, wie Meryam Schouler-Ocak, Leitende Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik Charité Berlin, in einer bundesweiten Befragung psychiatrischer Einrichtungen ermittelt hat.

Einerseits liegt das an den Fehldiagnosen: Halluzination, Geisterglaube und Wahn werden schnell als typisch für Schizophrenie angesehen. Andererseits sind Migranten ungleich stärker gefährdet, an Schizophrenie zu erkranken.

Wissenschaftler des Karolinska-Institut in Stockholm wiesen etwa ein um rund 50 Prozent erhöhtes Risiko nach. Migranten der zweiten Generation sind sogar noch stärker gefährdet als ihre Elterngeneration, so eine internationale Studie der niederländischen Psychiater Elizabeth Cantor-Graae und Jean-Paul Selten.

Nicht nur für Schizophrenie, auch für andere psychische Krankheiten sind Einwanderer anfälliger. Laut Bundespsychotherapeutenkammer leiden sie doppelt so häufig wie gebürtige Deutsche an körperlichen Beschwerden, für die es keine organischen Ursachen gibt. Und fast 60 Prozent häufiger erkranken Einwanderer an Depression.

Auch ein höheres Selbstmordrisiko lässt sich belegen: Bei den jungen Türkinnen ist die Rate doppelt so hoch wie bei jungen deutschen Frauen, das fand die Medizinerin Schouler-Ocac in einer Studie der Charité heraus.

Kommentare (4)

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Selberdenker

16.12.2011, 11:27 Uhr

Eine wichtige Frage bleibt unbeantwortet:
Werden auch die Einwanderer in Ländern ohne vergleichbares soziales Netz seltener krank?

Adolf

16.12.2011, 12:09 Uhr

„Einwandern macht krank“ es liegt vielleicht daran dass die meisten Einwanderer nur wegen Arbeitslosigkeit oder Armut in Deutschland einwandern, dass sie keine Wahl haben.
Gebildete und kompetente Arbeitskräfte wandern lieber in die USA, Kanada, Australien oder anderswo aber kaum in Deutschland ein, wo bekanntlich eine starke Ausländerfeindlichkeit permanent zu spüren ist. Vor allem nach der Wiedervereinigung.
Ich bin ein Zugewanderter und wäre sehr wahrscheinlich nicht in Deutschland geblieben wenn ich nicht Arbeit bei den Alliierten in Berlin bekommen hätte.
Merkwürdigerweise waren dort die deutsche Beschäftigte auch nicht ausländerfeindlich.
Was für mich bedeutet dass die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland nicht genetisch bedingt ist und auch nicht unüberwindbar.
Vielleicht sollten die Politiker für Aufklärung der Deutschen, besonders DDR-Deutsche, mehr tun.
(In der DDR waren die Einwanderer als billige Arbeitskräfte für unbeliebte Tätigkeiten „importiert“ worden und meistens in eigen für sie reservierte Wohnsiedlungen untergebracht).

Island

16.12.2011, 12:54 Uhr

Eine wichtige Frage sind die Kosten die durch die Gastarbeiter/geduldete Ausländer in diesen Bereich entstehen.

Wir haben zum einen Behandlungskosten für den Englischen Soldaten (Irak) der ein Traumata erlebt (als Täter) hat. Der nach der Ausmusterung aus der Englischen Armee in der Bundesrepublik Deutschland (geduldet) lebt.

Zum andern die vielen Krebsfälle aus der Ukraine (Tschernobyl), die steigenden AIDS Fälle durch die unkontrollierte Einreise aus den „Hochburgen dieser Krankheit“ z. b. USA, Russland, Ukraine und Schwarzafrika.

Das wir diese Menschen an unseren Gesundheitssystem teilhaben lassen ohne das diese dafür Beiträge entrichten ist zwar grundsätzlich in Ordnung.

Das heißt im Umkehrschluss das die Beiträge für unser Gesundheitssystem auch aus diesen Grund steigt.

Darum ist es wichtig, daß diese Menschen durch ihre jeweiligen Krankenversicherungssysteme in ihrer Heimat versichert werden (Auslandskrankenschein).

Das ist natürlich schwierig bei Gastarbeitern die länger als 2 Jahre bei uns arbeiten oder geduldet werden.

Darum ist die Zahl der Gastarbeiter auch aus diesen Grund zu minimieren. Denken wir alleine an die 8 Millionen Arbeitslosen und den über 7,6 Millionen Gastarbeitern.


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