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17.04.2011

14:25 Uhr

Medizin

Genpilz soll Malaria eindämmen

In London arbeiten Forscher an einer hochpotenten Biowaffe gegen Malaria. Nach beeindruckenden Erfolgen im Labor wollen sie ihre neue Therapie demnächst in Malaria-Gebieten testen.

Durch die Behandlung sank die Zahl der Malaria-Erreger im Körper der Mücken, die die Krankheit übertragen, drastisch. Quelle: gms

Durch die Behandlung sank die Zahl der Malaria-Erreger im Körper der Mücken, die die Krankheit übertragen, drastisch.

LondonAuf den ersten Blick wirkt das Labor der Westminster Universität ganz unscheinbar. Die Regale sind voller Petrischalen, Reagenzgläser und sonstiger Laborgeräte. In manchen Behältern gedeihen Bakterien, in anderen wachsen Pilze, einige beherbergen Mücken.

Hier, im Zentrum von London, entwickeln Forscher derzeit eine hochpotente Biowaffe. Ein genveränderter Pilzmutant soll endlich einer der weltweit schlimmsten Erkrankungen ihren Schrecken nehmen: der Malaria.

Schon seit Jahren arbeiten Angray Kang und seine Kollegen an einem Mittel gegen die Erreger der Gattung Plasmodium, die durch Mückenstiche übertragen werden. Mit ihrer neuen Schöpfung sehen die Molekularbiologen dieses Ziel zum Greifen nah.

Setzten sie infizierte Moskitos im Labor den Pilzmutanten aus, so fiel die Zahl der Malaria-Parasiten im Körper der Mücken jäh ab. Sollte dies auch in freier Natur funktionieren, ließe sich die Ausbreitung der Tropenkrankheit möglicherweise bremsen, mutmaßen die Forscher im Magazin "Science". Kang schlägt vor, den Pilz, der sich kostengünstig züchten lässt, in Malaria-Gebieten an Wände oder auf Moskitonetze zu sprühen.

"Das ist eine sehr spannende Studie", sagt der Infektiologe Andrew Read von der Pennsylvania State Universität, der nicht an der Entwicklung beteiligt war. "Das zeigt: Wenn man ein Werkzeug nicht in der Natur findet, baut man es eben selbst."

Der Forscher hält den aufgerüsteten Pilz für weniger bedenklich als andere gentechnische Verfahren, etwa das Freilassen genetisch veränderter Mücken. "Man sprüht das Zeug an die Wand, und dann erfüllt es seinen Zweck", sagt er. "Man muss sich keine Sorgen über weitere Generationen machen."

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