Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2011

15:41 Uhr

Medizin

Jetlag schwächt auch Malaria-Erreger

Auch die innere Uhr des Malaria-Erregers kann aus dem Tritt geraten - was ihn weniger gefährlich macht, wie britische Wissenschaftler jetzt nachweisen konnten. Möglicherweise haben sie damit eine Schwachstelle gefunden, die als Ansatzpunkt für neue Therapien gegen die Krankheit dienen könnte.

Malaria-Stechmücke: Die Erkenntnisse der Wissenschaftler bieten vielleicht einen Ansatz für neue Therapien. Quelle: dpa

Malaria-Stechmücke: Die Erkenntnisse der Wissenschaftler bieten vielleicht einen Ansatz für neue Therapien.

HB DÜSSELDORF. Jetlag macht nicht nur Menschen müde, er schwächt auch Malaria-Erreger. Zu diesem Ergebnis kommen britische Forscher nach einer Studie bei Mäusen, die mit Malaria infiziert wurden. Bei Malariaparasiten, die ihren Lebensrhythmus nicht dem der infizierten Nagetiere angepasst hatten, verminderte sich Fähigkeit, die Krankheit zu übertragen, um die Hälfte.

In ihren Versuchen arbeiteten die Forscher um Aidan ODonnell (Edinburgh) mit dem Erreger der Nagetier-Malaria, Plasmodium chabaudi. Plasmodien sind einzellige Parasiten, die verschiedene Vermehrungsstufen durchlaufen. Die Tropenkrankheit wird durch Stechmücken übertragen. Wird ein Tier oder Mensch von einer Mücke gestochen, so vermehrt sich eine bestimmte Entwicklungsstufe des Erregers in der Leber.

Im Blut befallen diese dann die roten Blutkörperchen, in denen sich ringförmige Gebilde des Parasiten bilden. Später werden Vorläufer von Keimzellen freigesetzt. Sticht eine Mücke einen Malaria-Patienten, nimmt sie diese Geschlechtszellen auf, und in ihrem Körper entstehen neue Erreger.

Das Forschungsteam verpflanzte nun verschiedene Stämme des Nagermalariaerregers von einer Maus in eine zweite, die an einen anderen Hell-Dunkel-Rhythmus gewöhnt war. Dies sorgte für einen veritablen Jetlag bei den verpflanzten Parasiten – ihre schubartige Freisetzung kam aus dem Lot, die Parasiten im Wirt vervielfältigten sich nur noch halb so oft.

Gleichzeitig entstanden auch weniger Gametozyten - jene Übertragungsstadien, die über Mücken eine Ausbreitung erlauben. Übertragungen in Wirte mit gleicher Tagesrhythmik schadeten den Parasiten dagegen nicht.

Wie die Malariaerreger ihre Feinjustierung an die Wirtskörperzeit gewährleisten und ob der Mechanismus womöglich sogar zur Bekämpfung der Krankheit gestört werden könnte, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Nach Ansicht der Forscher könnten die „Jetlag-Plasmodien“ allerdings nach einiger Zeit an den neuen Tageshythmus anpassen, was sie wieder gefährlicher machen dürfte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×